Mimik als Tor zur Seele
In einem Seminar unseres Hospizvereines zum Thema „Mimik als Tor zur Seele“ habe ich Wesentliches gelernt. Gerne möchte ich Sie mit diesem Seelenthema vertraut machen und habe zur Veranschaulichung einige Gedanken zusammengestellt.
Mimik gilt als wichtigste Informationsquelle, Emotionen oder Stimmungslagen eines Menschen zu erkennen. Es gibt sieben grundlegende Emotionen (Basisemotionen) in der Mimik aller Menschen, die uns dabei helfen, Gemütsregungen ohne weitere nonverbale Signale zu erkennen. Unser Gesicht ist sozusagen die Bühne, auf der unsere Gefühle wie Freude, Wut, Angst, Ekel, Trauer, Überraschung oder Verachtung ausgedrückt werden.
Die Fähigkeit, im Gesichtsausdruck zu erkennen, was mein Gegenüber ausdrücken möchte, wenn durch Körpersprache oder Stimme kein eindeutiges Signal ausgesendet wird oder nicht mehr ausgesendet werden kann, erfordert in hohem Maße eine innere Haltung von Offenheit, Wertschätzung und Zugewandtheit.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Begegnung mit Menschen, die krank sind, alt und einsam; mit Menschen, die trauern oder Schmerzen haben; mit Menschen, die im Sterben liegen und wortlos geworden sind. Großes Einfühlungsvermögen und eine gute Beobachtungsgabe helfen dabei, die Mimik zu entschlüsseln oder Reaktionen wahrzunehmen, wenn unausgesprochene Einwände nur kurz über das Gesicht huschen (z.B. Zucken der Mundwinkel, Zusammenziehen der Augenbrauen).
Im alltäglichen Miteinander können wir uns auch selbst Fragen stellen:
Achte ich auf mein Gesicht?
Welche Signale sende ich aus?
Wie wirke ich auf mein Gegenüber?
Was kann ich mit meinem Gesichtsausdruck bei mir selbst bewirken?
Lächeln Sie sich selbst ein paar Momente zu; grinsen Sie. Nutzen Sie die Vorteile der mimischen Muskulatur, die mit dem Gehirn in ständiger Rückkoppelung steht und Ihr Inneres beeinflussen kann. Dann werden Sie spüren, dass sich aus einer zuvor mäßigen Stimmungslage eine positive innere Haltung für den Tag entwickeln kann.
Wo kann ich Freude bringen?
Wo kann ich Herzenswärme weitergeben?
Wo kann ich bei Traurigkeiten und Enttäuschungen meine Anteilnahme und mein Mitgefühl zeigen?
Wie steht es um mein Christsein? Ist mein Glaube nicht auch ein Grund zur inneren Freude, die sich in den Augen widerspiegeln kann?
Wie sagte neulich eine seit Jahren querschnittsgelähmte ältere Dame, als wir sie im Krankenhaus vor einer anstehenden kleinen Operation besuchten: „Ihr seid meine Glücksbringer“. Welch eine Aussage! Eine längere Autofahrt und genügend Zeit haben ausgereicht, um eine so tief berührende Begegnung zu haben.
Versuchen auch Sie, Glücksbringer auf Ihre ganz persönliche Weise für andere zu sein.
Helga Gockel
(Gemeindemitglied in Bad Lippspringe / in Olpe)
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