Vertrauen in Gott und die Gewissheit seiner Zuwendung
(Psalm 130)
Liebe Leserinnen und Leser,
auf jahrtausendealte Gebetsworte, die uns überliefert sind, möchte ich gerne in diesem Tagesimpuls zurückgreifen. Es sind die Psalmen. Psalm 130 habe ich ausgewählt. Dieser Psalm gehört zu den Buß- und Klagepsalmen. Ihnen ist ein Grundgedanke gemeinsam. Stets blicken sie zurück auf flehentliche Gebete, die der Betende in bitterster Not und Verzweiflung an Gott gerichtet hat.
Doch in der Gegenwart des Beters steht das Vertrauen in Gott im Zentrum, oft auch schon erfahrene Hilfe und Rettung aus schwerer Not. Für den Betenden ist die Gewissheit wichtig, dass Gottes Güte und Gnade ihn aus Not und Elend errettet hat. So wendet sich die Klage in Dank und Lob für Gottes Hilfe.
Dieser Psalm ist oft vertont worden; und wer in einem Chor singt oder gesungen hat, gerne geistliche Konzerte besucht, wird solche Vertonungen kennen. Ich stelle die Vertonung von Johann Sebastian Bach (1685–1750) vor bzw. rufe ich sie in Erinnerung mit einem Video, das ich vor einigen Jahren bei YouTube eingestellt habe.
„Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir” (BWV 131) ist wahrscheinlich Bachs erste Kirchenkantate überhaupt. Er schrieb sie während seiner kurzen Organistenzeit in Mühlhausen (Thüringen) für einen Bußgottesdienst. Kurz vor Bachs Amtsantritt hatte eine Feuersbrunst große Teile der Innenstadt vernichtet und zahlreiche Familien obdachlos gemacht. Die animierte Diashow zeigt einige der heutigen Katastrophen: Überschwemmungen, Stürme. Thematisiert wird aber auch persönliches Leid: körperliche Handicaps, Einsamkeit.
Wahrscheinlich denken jetzt viele an die Corona-Krise und das damit verbundene Leid. Lernen wir doch vom Betenden des Alten Testamentes nicht nur das Klagen und Flehen, sondern auch das Vertrauen in Gottes Hilfe – auch in Corona-Zeiten – und das Danken und Loben für jegliche erfahrene Hilfe in den letzten Monaten. Ich glaube fest daran: Gott handelt durch uns Menschen und hat seine Hand im Spiel!
Ihr
Theodor Radhöfer
(Musik in Olper Kirchen)
Psalm 130
„Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir: Mein Herr, höre doch meine Stimme! Lass deine Ohren achten auf mein Flehen um Gnade. Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehn? Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient. Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele, ich warte auf sein Wort. Meine Seele wartet auf meinen Herrn mehr als Wächter auf den Morgen, ja, mehr als Wächter auf den Morgen. Israel, warte auf den HERRN, denn beim HERRN ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle. Ja, er wird Israel erlösen aus all seinen Sünden.
(Zitiert nach: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe, © 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart).



