Gedanken zum Tag – 19. Juni 2020, Freitag der 11. Woche im Jahreskreis

19. Juni 2020

Vertrauen in Gott und die Gewiss­heit seiner Zuwendung
(Psalm 130)

Liebe Lese­rinnen und Leser,

auf jahr­tau­sen­de­alte Gebets­worte, die uns über­lie­fert sind, möchte ich gerne in diesem Tages­im­puls zurück­greifen. Es sind die Psalmen. Psalm 130 habe ich ausge­wählt. Dieser Psalm gehört zu den Buß- und Klage­psalmen. Ihnen ist ein Grund­ge­danke gemeinsam. Stets blicken sie zurück auf flehent­liche Gebete, die der Betende in bitterster Not und Verzweif­lung an Gott gerichtet hat.

Doch in der Gegen­wart des Beters steht das Vertrauen in Gott im Zentrum, oft auch schon erfah­rene Hilfe und Rettung aus schwerer Not. Für den Betenden ist die Gewiss­heit wichtig, dass Gottes Güte und Gnade ihn aus Not und Elend errettet hat. So wendet sich die Klage in Dank und Lob für Gottes Hilfe.

Dieser Psalm ist oft vertont worden; und wer in einem Chor singt oder gesungen hat, gerne geist­liche Konzerte besucht, wird solche Verto­nungen kennen. Ich stelle die Verto­nung von Johann Sebas­tian Bach (1685–1750) vor bzw. rufe ich sie in Erin­ne­rung mit einem Video, das ich vor einigen Jahren bei YouTube einge­stellt habe.

„Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir” (BWV 131)  ist wahr­schein­lich Bachs erste Kirchen­kan­tate über­haupt. Er schrieb sie während seiner kurzen Orga­nis­ten­zeit in Mühl­hausen (Thüringen) für einen Bußgot­tes­dienst. Kurz vor Bachs Amts­an­tritt hatte eine Feuers­brunst große Teile der Innen­stadt vernichtet und zahl­reiche Fami­lien obdachlos gemacht. Die animierte Diashow zeigt einige der heutigen Kata­stro­phen: Über­schwem­mungen, Stürme. Thema­ti­siert wird aber auch persön­li­ches Leid: körper­liche Handi­caps, Einsamkeit.

Wahr­schein­lich denken jetzt viele an die Corona-Krise und das damit verbun­dene Leid. Lernen wir doch vom Betenden des Alten Testa­mentes nicht nur das Klagen und Flehen, sondern auch das Vertrauen in Gottes Hilfe – auch in Corona-Zeiten – und das Danken und Loben für jegliche erfah­rene Hilfe in den letzten Monaten. Ich glaube fest daran: Gott handelt durch uns Menschen und hat seine Hand im Spiel!

Ihr
Theodor Radhöfer
(Musik in Olper Kirchen)

Psalm 130
„Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir:  Mein Herr, höre doch meine Stimme! Lass deine Ohren achten auf mein Flehen um Gnade.  Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehn?  Doch bei dir ist Verge­bung, damit man in Ehrfurcht dir dient.  Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele, ich warte auf sein Wort.  Meine Seele wartet auf meinen Herrn mehr als Wächter auf den Morgen, ja, mehr als Wächter auf den Morgen.  Israel, warte auf den HERRN, denn beim HERRN ist die Huld, bei ihm ist Erlö­sung in Fülle.  Ja, er wird Israel erlösen aus all seinen Sünden.

(Zitiert nach: Einheits­über­set­zung der Heiligen Schrift, voll­ständig durch­ge­se­hene und über­ar­bei­tete Ausgabe, © 2016 Katho­li­sche Bibel­an­stalt, Stuttgart).

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