Gedanken zum Tag – 20. September 2026 – 25. Sonntag im Jahres­kreis – Muggelkirmes

20. Sep. 2026

Ein Platz, an dem du einfach sein darfst

Jeden Nach­mittag öffnet sich im Gemein­de­zen­trum St. Martinus die Tür unserer OT. Durch diese Tür kommen Kinder und Jugend­liche mit ganz unter­schied­li­chen Geschichten. Manche sind laut und fröh­lich, andere kommen leise herein und beob­achten erst einmal. Einige suchen das Gespräch, andere möchten Billard oder Kicker spielen, Musik hören oder einfach auf der Couch liegen.

Manchmal fragen wir: „Alles in Ordnung bei dir?“ Zunächst hören wir ein über­zeugtes „Ja, klar!“. Doch etwas später, viel­leicht bei einer Runde Billard, Kicker oder an der Theke, folgt vorsichtig: „Kann ich dir mal etwas erzählen?“ Solche Momente zeigen mir, wie wichtig Geduld ist. Vertrauen lässt sich nicht einfor­dern. Es wächst, wenn junge Menschen erleben: Da ist jemand, der bleibt, zuhört und mich ernst nimmt.

In der OT müssen Kinder und Jugend­liche weder gute Noten vorweisen noch etwas Beson­deres leisten. Sie brau­chen keine Mitglied­schaft und müssen keiner bestimmten Reli­gion oder Natio­na­lität ange­hören. Hier dürfen sie zunächst einfach ankommen. Gerade in einer Welt, in der schon junge Menschen oft glauben, etwas leisten, darstellen oder beweisen zu müssen, ist das kostbar. Unsere Botschaft lautet: Du bist will­kommen, weil du du bist.

Natür­lich gibt es Regeln und Grenzen. Wo unter­schied­liche Menschen zusam­men­kommen, entstehen Konflikte. Dann reden wir mitein­ander, setzen Grenzen und fordern Verant­wor­tung ein. Dabei versu­chen wir, nicht nur das Verhalten zu sehen, sondern auch den Menschen dahinter. Hinter Wut kann Enttäu­schung stecken, hinter Rückzug Einsam­keit und hinter einer Provo­ka­tion die Frage: „Siehst du mich über­haupt?“ Wir können nicht jedes Problem lösen. Aber wir können aufmerksam bleiben und zeigen: Du bist nicht allein.

Dabei erlebe ich täglich: Nicht nur Kinder und Jugend­liche brau­chen uns Erwach­sene. Auch wir brau­chen sie. Junge Menschen erin­nern uns daran, neugierig zu bleiben. Sie stellen Fragen, hinter­fragen Selbst­ver­ständ­lich­keiten und spüren sehr genau, ob wir etwas nur sagen oder wirk­lich meinen. Manchmal fordern sie unsere Geduld heraus und zeigen uns unsere Grenzen. Gerade dadurch können auch wir wachsen. Wir geben ihnen Orien­tie­rung und Halt; sie helfen uns, beweg­lich, ehrlich und hoff­nungs­voll zu bleiben.

Für mich als musli­mi­sche Leiterin einer Einrich­tung in katho­li­scher Träger­schaft ist diese gegen­sei­tige Berei­che­rung beson­ders wert­voll. Im Gemein­de­zen­trum St. Martinus begegnen sich Menschen mit unter­schied­li­chen reli­giösen, kultu­rellen und persön­li­chen Hinter­gründen. Beim Spielen, Essen und Lachen zählt nicht, woher jemand kommt oder woran er glaubt, sondern wie wir mitein­ander umgehen: ob wir zuhören, helfen, teilen und niemanden ausschließen. Darin zeigt sich für mich Nächs­ten­liebe ganz praktisch.

Und genau das erleben wir jedes Jahr auf der Muggel­kirmes: Menschen unter­schied­li­chen Alters und mit ganz verschie­denen Geschichten kommen zusammen, begegnen sich, lachen mitein­ander und teilen für eine Weile denselben Ort. Auch dort entsteht Gemein­schaft, niemand wird ausge­schlossen oder muss am Rand stehen. Ich wünsche mir, dass wir dieses Gefühl über die Kirmes hinaus mitnehmen – in unsere Stadt, in unseren Alltag und in unsere OT:

Hier werde ich gesehen. Hier bin ich will­kommen. Hier darf ich einfach sein.

Duygu Kücük­bicakci
(Leitung der OT Olpe im Gemein­de­zen­trum St. Martinus)

 

Noch ein Hinweis in eigener Sache:

Wenn Sie, liebe Lese­rinnen und Leser, auch solche Gedanken über das Leben oder über irgend­etwas anderes haben, dann schreiben Sie es auf und schi­cken es uns. Wir freuen uns über jeden Beitrag! Falls Sie in Ihrem Beitrag (ausnahms­weise!) fremde Texte/Textteile verwenden, beachten Sie bitte UNBEDINGT die Urheberrechte.

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