Die Mauer des Schweigens durchbrechen: Hinschauen. Zuhören. Da sein.
Manchmal wird das Leben so schwer, dass ein Mensch keinen Ausweg mehr sieht. Am 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, denken wir an Menschen, die durch Suizid aus dem Leben gegangen sind – und an die Angehörigen und Freunde, die mit ihrer Trauer, ihren Fragen und oft auch mit Schuldgefühlen zurückbleiben.
Suizid hinterlässt tiefe Wunden. Noch immer fällt es vielen schwer, darüber zu sprechen. Doch gerade das Schweigen kann einsam machen. Deshalb brauchen Betroffene Menschen, die zuhören, ohne zu bewerten, die Trauer aushalten und einfach da sind.
Der Tag der Suizidprävention richtet unseren Blick aber auch auf diejenigen, die heute sagen: „Ich kann nicht mehr.“
Wir sollten solche Worte ernst nehmen. Nachfragen. Zuhören. Nähe anbieten. Und gemeinsam nach Hilfe suchen. Wir müssen nicht die richtigen Antworten haben. Manchmal kann schon die Erfahrung, dass jemand bleibt und sagt „Du bist nicht allein“, ein wichtiger Schritt zurück ins Leben sein.
Was können wir als Christen tun?
Vielleicht vor allem: hinschauen, statt wegzuschauen.
Wir können Menschen ansprechen, die sich zurückziehen. Wir können offen über Verzweiflung und Suizid sprechen und damit die Mauer des Schweigens ein Stück durchbrechen. Wir können Hilfe vermitteln und Menschen in ihrer Not begleiten.
Unser Glaube verspricht uns kein Leben ohne Dunkelheit. Aber er sagt uns: Gott lässt uns auch im dunkelsten Tal nicht allein.
Und vielleicht können wir einander genau diese Nähe schenken:
Bleib, ich höre dir zu, du musst das nicht allein tragen.
Denn manchmal beginnt Hoffnung ganz klein – mit einem Menschen, der bleibt.
Gebet
Gott des Lebens,
sei nahe bei allen,
die keinen Ausweg mehr sehen.
Schenke ihnen Menschen,
die zuhören, hinschauen und bleiben.
Tröste alle,
die einen Menschen durch Suizid verloren haben,
und gib uns Mut,
über Verzweiflung zu sprechen.
Lass uns füreinander Hoffnung sein. Amen.
Regina Bongers
(Notfallseelsorgerin)
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