Franziskus und das Kreuz
In dieser Woche haben wir das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert und am 17. September feiern wir franziskanischen Menschen das Fest der Stigmatisierung (Franziskus erhält die Wundmale wie Jesus sie durch die Kreuzigung erlitten hat).
Das bewegt mich dazu, über das Kreuz nachzudenken. Sie kennen sicher die Redewendung „das Kreuz mit dem Kreuz“. Wenn wir davon sprechen, meinen wir, dass wir an schwierigen Situationen leiden. Dieser Satz wirkt für mich eher pessimistisch. Ich leide an Dingen, die ich nicht verändern kann. Ich schaue auf das Kreuz und finde es schwer und negativ.
Wenn ich auf Franziskus schaue, hat er eine andere Haltung zu Kreuz und Leid.
Franziskus begegnet zu Beginn seiner Berufungsgeschichte einem Aussätzigen. Als Jugendlicher hat er solche Begegnungen vermieden. Ihm waren Arme und Aussätzige unangenehm, mit ihnen wollte er nichts zu tun haben. Jetzt überwindet er sich, steigt von seinem Pferd und begegnet dem Mann auf Augenhöhe. Die Überwindung dieser Abneigung prägt ihn sein Leben lang. Er entwickelt eine tiefe Sensibilität für das Leid der Menschen. Er leidet mit den Menschen, den Tieren und auch der ganzen Schöpfung. Im Leid der Geschöpfe erkennt er das Leid, dass Jesus Christus am Ende seines irdischen Lebens erfahren hat als er am Kreuz stirbt.
Am Ende seines Lebens hält sich Franziskus mit Bruder Leo in den Bergen in der Einsamkeit auf. Er meditiert in dieser Zeit insbesondere das Leiden Jesu Christi am Kreuz.
Die Legende spricht davon, dass ihm ein Engel das Kreuz zeigt. Danach spürt er die Wunden, die Jesus an Händen, Füßen und an der Seite hatte, bei sich und erfährt die Schmerzen am eigenen Körper.
Auch wenn ich es nicht erklären und beweisen kann. Ich glaube, dass sich bei Franziskus sein Mitleiden auch körperlich ausgedrückt hat, wie es in der Legende ausgedrückt ist.
Er hat sich sein Leben lang von den Menschen, Tieren und anderen Geschöpfen ansprechen lassen und ist von ihren Nöten zutiefst betroffen. Gleichzeitig sieht er ihre Würde, die sie alle als von Gott Geschaffenen haben.
Mich spricht Franziskus in seiner tiefen Zuneigung zu allen Geschöpfen seit vielen Jahren an. Ich hoffe, dass ich wenigstens hin und wieder wie Franziskus die Not meiner Mitmenschen wahrnehme und ich nicht wegschaue, sondern mich davon betreffen lasse.
Sr. Veronika Fricke osf
Noch ein Hinweis in eigener Sache:
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch solche Gedanken über das Leben oder über irgendetwas anderes haben, schreiben Sie es auf und schicken es uns. Wir freuen uns über jeden Beitrag! Falls Sie in Ihrem Beitrag (ausnahmsweise!) fremde Texte/Textteile verwenden, beachten Sie bitte UNBEDINGT die Urheberrechte.
Sie können uns schreiben unter gedankenzumtag@gmx.de .



