Gedanken zum Tag – 27. Mai 2026 – Mitt­woch der 8. Oster­woche – hl. Augustinus

27. Mai 2026

Rück­sicht macht Wege breit

Auf manchen Wegen und engen Straßen, die ich gegangen bin, gibt es Hinweise, wie eine reibungs­lose Begeg­nung mit anderen gelingen kann.

Der unüber­seh­bare, über­große Aufdruck auf Teer oder Pflas­ter­steinen “Rück­sicht macht Wege breit” lässt aufhor­chen, regt an zum Nach­denken und weckt mich aus meiner unge­wollten Gedan­ken­lo­sig­keit. Er sagt mir, dass auch andere Platz brau­chen und eine Berech­ti­gung haben, auf diesem Weg zu sein.

Mit wenigen Worten und Symbolen, die auch für Nicht-Sprach­be­gabte äußerst anschau­lich und verständ­lich sind, wird der beson­dere Wert von gegen­sei­tiger Rück­sicht­nahme darge­stellt. Es ist ein freund­li­cher, behut­samer und origi­neller Appell an das Zusam­men­rü­cken und das Seite-an-Seite-Gehen und Fahren, um so ein Mitein­ander auf engen Pfaden konflikt­frei und ohne Karam­bo­lagen zu ermög­li­chen. Ein kurzer Gruß, ein kleiner Dank, ein Sehen und Gesehen-Werden lassen sich in der Armbe­we­gung zum anderen hin erkennen.

Im Zusam­men­hang mit Rück­sicht kommt mir ein Erfolgs­schlager aus den Acht­zi­gern von Hoff­mann & Hoff­mann in den Sinn: “Rück­sicht” (1983 beim Euro­vi­sion-Song-Contest gesungen). Das Lied handelt von einer zerbro­chenen Zweierbeziehung.

Der tief­sin­nige und fein­füh­lige Inhalt lässt sich auch auf das allge­meine, gesell­schaft­liche Mitein­ander über­tragen. Auszugs­weise zitiere ich im Folgenden einige Textpassagen:

Was haben wir denn beide falsch gemacht?… Wir waren wie verwöhnte Kinder Jeder dachte immer nur an sich …

Rück­sicht – keiner hat das Wort gekannt
Und Nach­sicht – die keiner bei dem andern fand
Und Vorsicht – dass nie zerbricht, was uns verband

Fehlte uns die Kraft, uns zu vertrauen? War es Angst vor ehrli­chem Gefühl? …

Einsicht – dass jeder seine Fehler hat
Und Weit­sicht – das Leben findet nicht nur heute statt
Und Vorsicht – dasѕ man den Andern nicht zerbricht.

Es ist erstaun­lich, wie sich der Autor mit den Werten von:
Rück­sicht – Nach­sicht – Vorsicht – Einsicht – Weitsicht
ausein­an­der­setzt und vortreff­lich beschreibt, welche Eigen­schaften es braucht, um ein Mitein­ander zu gestalten. Das gilt sowohl für eine Paar­be­zie­hung, für die Familie, das beruf­liche Umfeld, für Poli­tiker, für Vereine oder für sons­tige Begeg­nungen mit Menschen, ob wir sie kennen oder nicht.

Jedem von uns ist bewusst, dass wir die Welt im Großen nicht verbes­sern können, aber in kleinen Dingen lassen sich christ­liche Gedanken und Lebens­ein­stel­lungen mit Bestän­dig­keit ganz unauf­dring­lich im Beisam­men­sein leben. Es gilt immer, ein wach­sames Auge und Herz zu haben. Das kann man trai­nieren auf allen Wegen, die wir gehen.

Helga Gockel
(Gemein­de­mit­glied in Bad Lipp­springe / in Olpe)

 

Noch ein Hinweis in eigener Sache:

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