Rücksicht macht Wege breit
Auf manchen Wegen und engen Straßen, die ich gegangen bin, gibt es Hinweise, wie eine reibungslose Begegnung mit anderen gelingen kann.
Der unübersehbare, übergroße Aufdruck auf Teer oder Pflastersteinen “Rücksicht macht Wege breit” lässt aufhorchen, regt an zum Nachdenken und weckt mich aus meiner ungewollten Gedankenlosigkeit. Er sagt mir, dass auch andere Platz brauchen und eine Berechtigung haben, auf diesem Weg zu sein.
Mit wenigen Worten und Symbolen, die auch für Nicht-Sprachbegabte äußerst anschaulich und verständlich sind, wird der besondere Wert von gegenseitiger Rücksichtnahme dargestellt. Es ist ein freundlicher, behutsamer und origineller Appell an das Zusammenrücken und das Seite-an-Seite-Gehen und Fahren, um so ein Miteinander auf engen Pfaden konfliktfrei und ohne Karambolagen zu ermöglichen. Ein kurzer Gruß, ein kleiner Dank, ein Sehen und Gesehen-Werden lassen sich in der Armbewegung zum anderen hin erkennen.
Im Zusammenhang mit Rücksicht kommt mir ein Erfolgsschlager aus den Achtzigern von Hoffmann & Hoffmann in den Sinn: “Rücksicht” (1983 beim Eurovision-Song-Contest gesungen). Das Lied handelt von einer zerbrochenen Zweierbeziehung.
Der tiefsinnige und feinfühlige Inhalt lässt sich auch auf das allgemeine, gesellschaftliche Miteinander übertragen. Auszugsweise zitiere ich im Folgenden einige Textpassagen:
Was haben wir denn beide falsch gemacht?… Wir waren wie verwöhnte Kinder Jeder dachte immer nur an sich …
Rücksicht – keiner hat das Wort gekannt
Und Nachsicht – die keiner bei dem andern fand
Und Vorsicht – dass nie zerbricht, was uns verband
Fehlte uns die Kraft, uns zu vertrauen? War es Angst vor ehrlichem Gefühl? …
Einsicht – dass jeder seine Fehler hat
Und Weitsicht – das Leben findet nicht nur heute statt
Und Vorsicht – dasѕ man den Andern nicht zerbricht.
Es ist erstaunlich, wie sich der Autor mit den Werten von:
Rücksicht – Nachsicht – Vorsicht – Einsicht – Weitsicht
auseinandersetzt und vortrefflich beschreibt, welche Eigenschaften es braucht, um ein Miteinander zu gestalten. Das gilt sowohl für eine Paarbeziehung, für die Familie, das berufliche Umfeld, für Politiker, für Vereine oder für sonstige Begegnungen mit Menschen, ob wir sie kennen oder nicht.
Jedem von uns ist bewusst, dass wir die Welt im Großen nicht verbessern können, aber in kleinen Dingen lassen sich christliche Gedanken und Lebenseinstellungen mit Beständigkeit ganz unaufdringlich im Beisammensein leben. Es gilt immer, ein wachsames Auge und Herz zu haben. Das kann man trainieren auf allen Wegen, die wir gehen.
Helga Gockel
(Gemeindemitglied in Bad Lippspringe / in Olpe)
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