DIE GROßEN FESTE
Jetzt jährt sich mein Königsschuss.
Olpe feiert ausgelassen sein Schützenfest.
Alle sind froh und es bilden sich große Menschengruppen.
Aber wie an Weihnachten, gibt es auch an Schützenfest einsame Menschen.
Sofort macht uns dieser Gedanke nachdenklich. Fast regt sich ein Gefühl der Traurigkeit in uns. Fast schon eine schamvolle Traurigkeit.
Darf man unbekümmert, ausgelassen feiern? Wohl wissend, wie die dunklen Ecken des Lebens aussehen. Wohl wissend, daß für einige Menschen in unserer Stadt auch an Schützenfest das Dunkle überwiegt?
Eine einfache und wahre Erwiderung ist: Wer nicht genießt, ist ungenießbar.
Doch dann bleibt noch so ein schaler Rest: Wieviel Aufwand darf das Schützenfest, darf das Feiern denn verschlingen?
Natürlich gelten diese Gedanken auch im Karneval, an Weihnachten, an Silvester und an vielen weiteren Festen.
Und jetzt bitte ich Sie, mit mir einen Blick in die Natur, in die Schöpfung Gottes zu werfen: Braucht der Hirsch jedes Jahr ein neues Geweih, um es beim Kampf zu zeigen? Braucht die Orchidee den ausladenden Blütenkelch? Könnte das Rad des Pfaues nicht auch etwas kleiner sein? Auch die Natur zeigt Außergewöhnliches, zeigt Überfluss.
Lassen Sie uns den Überfluss genießen. Lassen Sie uns demütig danken, dass wir diesen Überfluss erkennen und diesen Überfluss genießen können.
Am schönsten ist der Genuss, wenn zwischen den Festen niemand auf der Strecke bliebe, oder wir geholfen haben, dass niemand auf der Strecke bleibt.
Dr. Norbert Seyfert
(Schützenkönig)
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