Gedanken zum Tag – 23. März 2020, Montag der vierten Fastenwoche

23. März 2020

Liebe Lese­rinnen und Leser,

seit heute gilt in unserem Land eine sog. zwei­wö­chige Kontakt­sperre. Wir dürfen, außer­halb unserer Wohnungen und Häuser, nur noch maximal zu zweit unter­wegs sein. Ausnahmen gelten für Fami­lien und für den Aufent­halt am Arbeits­platz. Das heißt: kein Bummeln mit Freunden in der Stadt, kein Abhängen und Chillen mit den Kollegen, kein Spielen mit Schul­freunden oder Treffen mit Kommi­li­tonen. Beim Hören dieser Anord­nung kam mir eine Stelle aus dem Matthäus-Evan­ge­lium in den Sinn, die wir alle kennen. „(…) wo zwei oder drei in meinem Namen versam­melt sind, da bin ich (Jesus) mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). In der Regel verstehen wir diese Zusage Jesu als eine Ermu­ti­gung. Selbst wenn wir uns nur als kleine Gruppe in seinem Namen versam­meln (können), erfahren wir seine Gegen­wart. Diese erfah­rene Gegen­wart – wie auch immer diese aussehen mag — stärkt uns für unser alltäg­li­ches Leben. In Corona-Zeiten gibt es viel­leicht noch eine weitere Möglich­keit, wie man die Zusage Jesu auslegen kann. Derzeit gibt es nicht nur viele Menschen, die sich einsam fühlen, sondern auch nicht wenige Fami­lien, die auf engsten Raum zusam­men­leben müssen, die sich nicht wirk­lich aus dem Weg gehen können, die zu zweit oder zu dritt – oder mit noch viel mehr Personen – den Alltag zu bewäl­tigen haben. Auch diesen Menschen sagt Jesus zu: Ich bin bei euch! Versucht aus meinem Geist heraus zu leben, dann könnt ihr meine Gegen­wart erfahren, um so Kraft zu haben für diese stres­sige und heraus­for­dernde Zeit.

Diese zweite Deutung ist nicht aus der Luft gegriffen. Denn der Satz Jesu: „(…) wo zwei oder drei in meinem Namen versam­melt sind, da bin ich (Jesus) mitten unter ihnen“ steht in der Bibel in einem inter­es­santen Kontext. Im nächsten Vers fragt nämlich Petrus Jesus: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder (meiner Schwester) vergeben, wenn er (sie) gegen mich sündigt ?“ (Mt 18, 21). Und zuvor ging es um die geschwis­ter­liche Zurecht­wei­sung (Mt 18, 15–18). Der Satz Jesu „(…) wo zwei oder drei in meinem Namen versam­melt sind, da bin ich (Jesus) mitten unter ihnen“ ist also einge­bettet in Über­le­gungen, wie wir mitein­ander umgehen wollen und sollen. Bei all den Heraus­for­de­rungen in den kommenden Tagen dürfen wir uns von Gott begleitet wissen und durch seinen Geist mitein­ander vernetzt.

Dazu passen zwei Anre­gungen. So rufen die deut­schen Bistümer und die evan­ge­li­schen Landes­kir­chen zu einer ökume­ni­schen Initia­tive auf, die in Olpe schon ange­laufen ist. Allabend­lich um 19.30 Uhr sollen während der Corona-Krise für fünf Minuten die Kirchen­glo­cken läuten. Zu dieser Aktion findet sich auf der Inter­net­seite unseres Erzbis­tums folgender Hinweis:

Um die rasante Ausbrei­tung der Infek­tion mit dem Corona-Virus zu verhin­dern, müssen die sozialen Kontakte der Menschen massiv begrenzt werden – auch im Bereich der Kirche. In dieser Zeit der Einschrän­kungen und Isola­tion starten die Kirchen in Nord­rhein-West­falen eine ökume­ni­sche Initia­tive: In allen Kirchen­ge­meinden erklingen täglich um 19.30 Uhr für fünf Minuten die Kirchen­glo­cken, um Menschen zu Gebet und Inne­halten einzu­laden und so mitein­ander zu verbinden. Die Initia­tive beginnt am Sonntag, 22. März 2020, und wird von den katho­li­schen (Erz-)Bistümern und Evan­ge­li­schen Landes­kir­chen in Nord­rhein-West­falen getragen.

Glocken­läuten verbindet: Menschen mit Gott, Menschen unter­ein­ander, Himmel und Erde“, schreibt Gene­ral­vikar Alfons Hardt in einem Brief an das Pasto­rale Personal des Erzbis­tums Pader­born, mit dem er zur Teil­nahme an der ökume­ni­schen Initia­tive aufruft. Das Glocken­läuten lade zum persön­li­chen Inne­halten, zu Stille und Gebet zu Hause ein. Durch das gleich­zei­tige Beten von Einzelnen entstehe zugleich eine leben­dige Gemein­schaft: Die einzelnen Bete­rinnen und Beter werden zu einer großen Gemein­schaft zusam­men­ge­führt. „In diesen Tagen der Corona-Krise brau­chen wir solche Verbin­dungen“, schreibt der Gene­ral­vikar des Pader­borner Erzbi­schofs. „Da öffent­liche Gottes­dienste zurzeit nicht gefeiert werden dürfen, werden wir durch das gleich­zei­tige Gedenken und Bedenken beim Läuten der Glocken an unter­schied­li­chen Orten zu einer leben­digen Gemeinschaft.

Jeweils die zwei größten Glocken eines Geläutes einer Kirche sollen erklingen, denn der besinn­lich-ernste Charakter dieses Läutens entspreche der gegen­wär­tigen Situa­tion mit den großen Heraus­for­de­rungen am aller­meisten. Die Glocken sollen täglich ab Sonntag, 22. März 2020, erklingen, zunächst bis einschließ­lich Grün­don­nerstag (9. April 2020) – tradi­tio­nell verstummen während der Kartage die Glocken bis zum Osterläuten.

An dieser Stelle sei allen Küste­rinnen und Küstern in unserem Pasto­ral­ver­bund Olpe gedankt, die durch ihr Tun diese geist­liche Aktion ermöglichen!

Papst Fran­ziskus ruft zudem zu einer welt­weiten Gebets­ak­tion auf. Zu dieser Aktion heißt es auf „katholisch.de“:

Der Papst hat für Mitt­woch zu einem welt­weiten Vater­unser-Gebet gegen die Coro­na­virus-Pandemie aufge­rufen. Er lade alle Christen ein, am 25. März um 12.00 Uhr mittags Gott anzu­rufen, sagte Fran­ziskus nach seinem Ange­lus­gebet am Sonntag.

In diesen “Tagen der Prüfung” sei es an der Zeit, “die Stimmen zum Himmel zu vereinen”, so der Papst. Mit der glei­chen Inten­tion kündigte er für Freitag (27. März) um 18.00 Uhr eine Andacht auf dem leeren Vorplatz des Peters­doms an. Er werde am Ende den feier­li­chen Segen Urbi et orbi spenden, der nur zu beson­deren Gele­gen­heiten üblich ist. Ange­sichts der Pandemie bestehe so die Möglich­keit, einen voll­stän­digen Ablass zu erhalten; darunter versteht die katho­li­sche Kirche einen Erlass von Strafen im Jenseits.

Fran­ziskus rief die Christen auf, der Ausbrei­tung des Virus mit “Mitge­fühl und Zärt­lich­keit” zu begegnen. “Bleiben wir vereint”, mahnte er am Schluss seiner Ansprache. Bereits in seiner Sonn­tags­früh­messe hatte er sich der Corona-Krise gewidmet. Er sei den Fami­lien nahe, die sich wegen der aktu­ellen Schutz­be­stim­mungen nicht von ihren toten Ange­hören verab­schieden könnten, sagte er im vati­ka­ni­schen Gäste­haus Santa Marta. “In diesen Tagen beten wir für die Toten, Männer und Frauen, die ohne Trost allein sterben.”

Über die Bedeu­tung des Gebets in Zeiten der Corona-Epidemie sprach das Kirchen­ober­haupt kürz­lich auch in einem Inter­view mit der italie­ni­schen Tages­zei­tung “La Stampa”. “Das Gebet lässt uns unsere Verletz­lich­keit begreifen. Es ist der Schrei der Armen, jener, die ertrinken, die sich in Gefahr fühlen, einsam”, sagte Fran­ziskus in Bezug auf die bibli­sche Erzäh­lung des Seesturms. “Und in einer schwie­rigen, verzwei­felten Situa­tion ist es wichtig zu wissen, dass man sich am Herrn fest­klam­mern kann.”

Seine Morgen­messen feiert der Papst wegen der aktu­ellen Krise derzeit nur im Kreis weniger Mitar­beiter. Die Feiern werden über das Inter­net­portal “Vatican News” sowie von einzelnen italie­ni­schen Medien live übertragen.

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