Gedanken zum Tag – 01. Juli 2026 – Mitt­woch der 13. Woche im Jahreskreis

1. Juli 2026

Olper Wall­fahrt nach Werl 2026

Seit 1661, also nunmehr 365 Jahren, befindet sich das Gnaden­bild „Trös­terin der Betrübten“ in Werl. Seit dieser Zeit ist Werl ein Marienwallfahrtsort.

In Jahr 1760 begannen auch Menschen aus Olpe, sich dorthin auf den Weg zu machen. Anfangs als jähr­liche Fußwall­fahrt, später verla­gert auf die neuen Möglich­keiten Eisen­bahn und Bus, seit 1985 wieder als Fußwall­fahrt, so wie in den Anfängen.

Waren es früher die Nöte der Menschen und die instän­dige Bitte um Hilfe und Schutz, so steht heute mehr im Vorder­grund, dass die Wall­fahrer außer­all­täg­liche Erfah­rungen tanken möchten auf der Suche nach dem indi­vi­du­ellen Lebens­sinn in einer kompli­ziert gewor­denen Welt. Das dies­jäh­rige Wall­fahrts­motto lädt in beson­derer Weise dazu ein: „Wenn es dir guttut, dann komm“.

Beim ersten Hören könnten wir vermuten, dass dieses Motto dem Werbe­text einer modernen Well­ness­oase mit verschie­denen Wohl­fühl­mög­lich­keiten entnommen wäre. Jedoch ist das Wort schon sehr alt. Es stammt vom heiligen Franz von Assisi, der vor 800 Jahren gestorben ist. Seine Einla­dung hat er an seinen Ordens­mit­bruder Leo geschrieben, der sich damals in einer persön­li­chen Krise befand. Leo war von Zwei­feln und Ängsten geplagt und Fran­ziskus wollte im dadurch helfen, dass er ihm anbot, bei ihm zu verweilen und Ruhe zu finden.

Nähe zu finden und sich fallen lassen zu können, sind so wohl­tuend wie essen und trinken am Tag und der Schlaf in der Nacht. Sie helfen uns loszu­lassen, Ange­wie­sen­heit anzu­nehmen und Gebor­gen­heit zu spüren.

So heißt es bei Romano Guar­dini: „Das ist der Gast­freund­schaft tiefster Sinn: dass ein Mensch dem Anderen Rast gebe auf der großen Wander­schaft zum ewigen Zuhause. Dass er für eine Weile ihm Bleibe gebe für die Seele, Kraft, Ruhe und das Vertrauen: Wir sind Wegge­nossen und haben gleiche Fahrt.“

Aber Franz hat seinen Freund Leo nicht nur einge­laden, er hat ihm auch schrift­lich ein Segens­wort zukommen lassen. Er schrieb den Namen „Leo“ auf Perga­ment und malte darüber ein großes T, das an den grie­chi­schen Buch­staben Tau und sein hebräi­sches Äqui­va­lent erin­nert. Ein T oder Kreuz auf die Stirn eines Menschen zu zeichnen, bedeutet, ihn als Gottes Eigentum kennt­lich zu machen, „damit ihn keiner erschlage, der ihn finde“ (Gen 4,15; Ez 9,3). Gesegnet zu sein heißt: Dir kann letzt­end­lich nichts passieren.

So dürfen wir in diesem Jahr wieder unter­wegs sein. Wir gehen am 2. Juli los, an jenem Tag, an dem in der Liturgie die beiden Frauen Maria und Elisa­beth sich treffen und austau­schen und werden am 5. Juli wieder in Olpe sein, wenn wir im Sonn­tags­evan­ge­lium von Jesus hören: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen sein! Ich will euch erqui­cken“ (Mt 11,28).

Eine einla­dende und segnende Wall­fahrt wünscht
Fried­helm Rüsche
(Pastor)

 

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