Gedanken zum Tag – 04. Oktober 2026 – 27. Sonntag im Jahreskreis

4. Okt. 2026

Fran­ziskus – Stationen seines Lebens

Fran­ziskus, klein, gut ausse­hend, laut, verschwen­de­risch, bei allen beliebt und auf jeder Party zu finden. Sorglos ist er, immer gut drauf. Spon­sored by Dady – ein Leben ohne Verpflich­tungen. Ist das der Heilige Franziskus?

Das Fran­zös­lein arbeitet im Laden seines Vaters, soll ein Tuch­händler werden wie er. Ein Bettler kommt an seine Tür – Franz schickt ihn weg, das ist doch klar. Doch es reut ihn einen Moment später, er läuft dem Armen nach, holt ihn ein und schenkt ihm Geld.

Kinder haben Träume. Ein stolzer Ritter will Franz werden. Und bald schon bekommt er die Chance dazu: Krieg zwischen Perucia und Assisi. Gold, Ruhm, Ehre? Die Erfül­lung der Kinderträume?

Oh nein – in Gefan­gen­schaft gerät unser verwöhnter Bengel (reicher Franz). Krank ist er, verzwei­felt, ausge­powert – das Leben scheint sinnlos. „Kein Bock auf gar nichts.“ – schwere Depres­sionen. Erst nach einem Jahr kommt er frei – ganz und gar nicht mehr der Alte. Er sucht den Sinn des Lebens – die Freunde sind entsetzt! Keine Partys, keine Fröh­lich­keit. Sie verstehen ihn nicht mehr. Das macht ihnen Angst.

Durch den Wald reitet der Lebe­mann — hoch zu Roß. Auf dem Boden kauert ein Aussät­ziger, bittet um Hilfe. Ein ehema­liger Kamerad? Der Reiter eilt vorbei, der Anblick ekelt ihn. Das ist mensch­lich, verständ­lich. Wer will sich schon anste­cken? Doch, was ist das? Franz zügelt das Roß, macht kehrt, steigt ab und — sieh doch: er nimmt den Aussät­zigen in den Arm. Wo ist die Angst, sich anzu­ste­cken, die Abscheu vor dem Kranken? Just in diesem Moment läuten die Kirchen­glo­cken. Zufall? Für Fran­ziskus ein Zeichen! Ist das schon der Heilige Franz?

Unser Fran­cesco hat zwei Väter: einen im Himmel droben – den haben wir alle – und einen auf der Erde hier unten. Er hört die Stimme des himm­li­schen Vaters: „Bau mein Haus wieder auf, es zerfällt.“ Was tut er? Er arbeitet, arbeitet hart, mit seinen eigenen Händen. Er baut Porti­un­cula wieder auf. Und er, der immer Geld hatte, bettelt, um das Bauma­te­rial bezahlen zu können. Der brave Sohn verlässt seinen leib­li­chen Vater, wirft ihm alle Reich­tümer vor die Füße und lebt vor der Stadt, arm, in Lumpen. Der Spinner, so sagen die Leute, kümmert sich um die Armen und Kranken. Hat er keine Angst?

Doch Fran­ziskus hört nur noch auf Gottes Wort, ihm auf Herz geschrieben von gött­li­cher Hand. Er lebt ganz und gar nach dem Evan­ge­lium; da gibt es kein Zögern, kein Wenn und kein Aber. Ein Fana­tist? Er predigt und viele hören ihm zu, obwohl er keinem nach dem Mund redet. Doch beein­druckt er sehr: er lebt was er sagt und er sagt was er lebt; radikal, demütig, immer zum Dienen bereit.

Da passiert es: ein Wunder? – oder nur mensch­li­cher Verstand? Es kommen viele, die ihm folgen durch´s ganze Land. So viele werden es, sie brau­chen Regeln, ein Orden entsteht, letzt­end­lich vom Papst anerkannt.

Bruder Franz setzt sich auch für Frieden ein. Bereist die Welt, will Vermittler sein, mit Worten versteht sich, ganz ohne Waffen. Doch Unfrieden herrscht auch im eigenen Land. Es ist uner­hört: selbst Frauen wollen nach seiner Idee leben. Bruder Franz hilft auch hier und setzt sich durch; Er macht sein geliebtes San Damiano den Schwes­tern zum Geschenk.

Unser kleiner Mann ist alt geworden, abge­ma­gert: viel Arbeit, wenig Essen, von Krank­heit ist sein Leib zerfressen. Auch viele andere Übel im eigenen Orden haben ihn heim­ge­sucht. Ein paar Schwes­tern pflegen ihn in dieser schweren Zeit. Jetzt ist er bestimmt verzwei­felt und allein. Nein!

Nein? Er hat viele Brüder und Schwes­tern um sich herum: den Mond, die Sonne — den Tieren predigt er sogar! Immer noch der Spinner? Oh nein! Todkrank schreibt er den Sonnen­ge­sang – ein Loblied auf Gottes herr­liche Schöp­fung! Dem Tod, seinem Bruder geht er entgegen – mit offenen Armen, zuver­sicht­lich, demütig, voll Liebe für den Herrn.

Fran­ziskus, klein, abge­ma­gert, in einen braunen Sack gehüllt, demütig und gut zu allen. Er liebt die Menschen und die Tiere, verherr­licht er den Vater durch sein Leben, geleitet von Gottes Wort. Wirk­liche Liebe zu Gott zeigt sich im Leiden. Im Leben und im Tod ist Fran­ziskus immer seinem Gott nahe. So bleibt er auch für uns — nach 800 Jahren — ein leben­diges Zeichen für Frieden und Heil.

Das ist er, der Heilige Franziskus!

Sr. Caja Steffen

 

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