Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Am heutigen Sonntag hat ganz Deutschland die Wahl! Die Wahl zwischen „mehr“ oder „weniger“, zwischen „weiter so“ oder „nie wieder“, zwischen „ganz“ oder „gar nicht“ – und für einige wirkt es mitunter wie eine Qual der Wahl.
Dabei zeigt ein Blick in andere Teile der Welt, wie bedeutsam es ist, eine Wahl zu haben. Denn die Wahl aus mehreren Möglichkeiten ist ein wesentlicher Teil echter Freiheit. Unsere eigene Geschichte lässt uns demütig erinnern, dass Freiheit und „die Wahl zu haben“ stärker sind als eine Mauer aus Stein und Stacheldraht!
Doch wonach treffen wir unsere Wahl? Welche Kriterien stellen wir auf? Wie erfüllen wir letztlich unsere Verantwortung?
Die Antworten auf diese Fragen sind so individuell wie vielfältig: Die einen stellen sich und ihr (vermeintliches) Wohl in den Mittelpunkt, die anderen ausschließlich das (vermeintliche) Wohl „der anderen“.
Bereits seit vielen hundert Jahren berichtet das Alte Testament von einer besonderen Auswahl, die sicher auch Ihnen bekannt ist: Der Auswahl durch Gott und die Salbung Davids als jüngster von Isais‘ Söhnen zum König von Israel (Samuel 16,1).
Dort heißt es: „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“
Auf den ersten Blick ist man geneigt zu sagen:
„Bitte wer mag auf dieser Grundlage komplexe Entscheidungen im Beruf, in der Gesellschaft oder in herausfordernden Situationen und Lebenslagen des 21. Jahrhunderts treffen?“
Auf den zweiten Blick aber wird deutlich, dass das Alte Testament eine weise Empfehlung ausspricht: Die Empfehlung von Mitgefühl und Empathie. Dabei sollen Mitgefühl und Empathie nicht bloße Kriterien einer Entscheidungsfindung sein.
Vielmehr sollen sie unser ganz alltägliches Miteinander prägen. Und auch darüber hinaus, in den komplexen Anforderungen von Politik und Gesellschaft sind sie unabdingbar. Nur durch Mitgefühl und Empathie gelingen echter, fairer Austausch und aufrichtiger Kompromiss. Und diese haben unsere moderne Gesellschaft vielleicht aktuell nötiger denn je.
Lassen Sie uns also „das Herz“ in den Blick nehmen. Wenn uns dies gelingt, haben auch wir schon eine richtige Wahl getroffen!
Philipp Scharfenbaum



