Gedanken zum Tag – 16. September 2026 – Mitt­woch der 24. Woche im Jahreskreis

16. Sep. 2026

Fran­ziskus und das Kreuz

In dieser Woche haben wir das Fest der Kreuz­erhö­hung gefeiert und am 17. September feiern wir fran­zis­ka­ni­schen Menschen das Fest der Stig­ma­ti­sie­rung (Fran­ziskus erhält die Wund­male wie Jesus sie durch die Kreu­zi­gung erlitten hat).

Das bewegt mich dazu, über das Kreuz nach­zu­denken. Sie kennen sicher die Rede­wen­dung „das Kreuz mit dem Kreuz“. Wenn wir davon spre­chen, meinen wir, dass wir an schwie­rigen Situa­tionen leiden. Dieser Satz wirkt für mich eher pessi­mis­tisch. Ich leide an Dingen, die ich nicht verän­dern kann. Ich schaue auf das Kreuz und finde es schwer und negativ.

Wenn ich auf Fran­ziskus schaue, hat er eine andere Haltung zu Kreuz und Leid.

Fran­ziskus begegnet zu Beginn seiner Beru­fungs­ge­schichte einem Aussät­zigen. Als Jugend­li­cher hat er solche Begeg­nungen vermieden. Ihm waren Arme und Aussät­zige unan­ge­nehm, mit ihnen wollte er nichts zu tun haben. Jetzt über­windet er sich, steigt von seinem Pferd und begegnet dem Mann auf Augen­höhe. Die Über­win­dung dieser Abnei­gung prägt ihn sein Leben lang. Er entwi­ckelt eine tiefe Sensi­bi­lität für das Leid der Menschen. Er leidet mit den Menschen, den Tieren und auch der ganzen Schöp­fung. Im Leid der Geschöpfe erkennt er das Leid, dass Jesus Christus am Ende seines irdi­schen Lebens erfahren hat als er am Kreuz stirbt.

Am Ende seines Lebens hält sich Fran­ziskus mit Bruder Leo in den Bergen in der Einsam­keit auf. Er medi­tiert in dieser Zeit insbe­son­dere das Leiden Jesu Christi am Kreuz.
Die Legende spricht davon, dass ihm ein Engel das Kreuz zeigt. Danach spürt er die Wunden, die Jesus an Händen, Füßen und an der Seite hatte, bei sich und erfährt die Schmerzen am eigenen Körper.

Auch wenn ich es nicht erklären und beweisen kann. Ich glaube, dass sich bei Fran­ziskus sein Mitleiden auch körper­lich ausge­drückt hat, wie es in der Legende ausge­drückt ist.
Er hat sich sein Leben lang von den Menschen, Tieren und anderen Geschöpfen anspre­chen lassen und ist von ihren Nöten zutiefst betroffen. Gleich­zeitig sieht er ihre Würde, die sie alle als von Gott Geschaf­fenen haben.

Mich spricht Fran­ziskus in seiner tiefen Zunei­gung zu allen Geschöpfen seit vielen Jahren an. Ich hoffe, dass ich wenigs­tens hin und wieder wie Fran­ziskus die Not meiner Mitmen­schen wahr­nehme und ich nicht wegschaue, sondern mich davon betreffen lasse.

Sr. Vero­nika Fricke osf

 

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