Warum ich gerne an Prozessionen teilnehme
In meinem Leben bin ich viel unterwegs, als Fußgängerin, als Autofahrerin, in der Natur und zu Menschen. Ich bin ständig in Bewegung: zeitlich, räumlich und innerlich.
Um gut in Bewegung bleiben zu können, sind Pausen, Ruhe- und Erholungszeiten der andere Pol meines Lebens. Beides ist wichtig.
Am vergangenen Pfingstmontag habe ich an der ältesten Prozession in unserem Pastoralen Raum teilgenommen, die von Neuenkleusheim nach Rehringhausen und zurück ging. Da gehen wir als Christen mit Gott in unserer Mitte durch die Natur und es gefällt mir sehr, dass es in Rehringhausen eine Pause gibt, Zeit zum Essen, zum Gespräch und zur Erholung. Es ist eine wunderbare Kombination zwischen menschlichen Begegnungen und dem gemeinsamen Lobpreis Gottes durch unsere Gesänge. Wir danken Gott für seine Nähe im Zeichen des Brotes, der alle unsere Wege im Leben begleitet.
Morgen, am Fest Fronleichnam, gehen wir wieder in den verschiedenen Gemeinden durch unsere Straßen, stärken uns gegenseitig im Glauben durch das gemeinsame Singen, Beten und menschliche Begegnungen! Dabei geben wir auch Zeugnis von unserem Glauben für Menschen, die so eine Prozession sehen und nichts damit anfangen können.
Ein Text von Wilhelm Wilms berührt mich immer wieder: „Anfrage an Teilnehmer bei einer Fronleichnamsprozession zu dem „kleinen weißen Scheibchen Brot“.
Ich fragte die Leute: „Was ist das?“
Da sagte einer, ein Tiefgebeugter: „Das ist ein Stückchen Brot, hinter dem ungeheuer viel steckt.“
Ich war betroffen von dem Ausdruck seiner Stimme und fragte: „Was denn? Was steckt dahinter? Sag es mir!“
Da sagte eine alte Frau, sie war einfach gekleidet, ganz einfach; eine nicht einfach gekleidete Frau hätte so etwas gar nicht sagen können. Sie sagte nämlich: „Hinter diesem Stückchen Brot steckt meine letzte Hoffnung, dass ich doch einmal gesättigt werde. Ich habe eine gute Rente“, sagte die alte Frau, „und kann mir viel Brot kaufen, und kann jeden Tag ins Café gehen, aber, das will ich ihnen sagen, ich habe noch kein Brot gefunden, das mich satt macht. Aber dieses weiße Scheibchen ist meine Hoffnung, denn da steckt ungeheuer viel hinter, ein Mann, ein Mensch wie wir, der hat sich selbst weggegeben, der wurde selbst Brot. Wissen sie“, sagte die Alte, „so einer, der sich selbst weggibt, so etwas ist meine letzte Hoffnung, mein Himmel.“
So wünsche ich uns morgen einen frohen Tag der Begegnungen und der gegenseitigen Stärkung im Glauben an den Gott, der uns auf allen unseren Lebenswegen nahe sein will und uns begleitet.
Sr. Gertrudis Lüneborg
(Gemeindereferentin im PR Olpe- Drolshagen)
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