Gedanken zum Tag – 03. Juni 2026 – Mitt­woch der 9. Woche im Jahreskreis

3. Juni 2026

Warum ich gerne an Prozes­sionen teilnehme

In meinem Leben bin ich viel unter­wegs, als Fußgän­gerin, als Auto­fah­rerin, in der Natur und zu Menschen. Ich bin ständig in Bewe­gung: zeit­lich, räum­lich und innerlich.
Um gut in Bewe­gung bleiben zu können, sind Pausen, Ruhe- und Erho­lungs­zeiten der andere Pol meines Lebens. Beides ist wichtig.

Am vergan­genen Pfingst­montag habe ich an der ältesten Prozes­sion in unserem Pasto­ralen Raum teil­ge­nommen, die von Neuenkle­us­heim nach Rehring­hausen und zurück ging. Da gehen wir als Christen mit Gott in unserer Mitte durch die Natur und es gefällt mir sehr, dass es in Rehring­hausen eine Pause gibt, Zeit zum Essen, zum Gespräch und zur Erho­lung. Es ist eine wunder­bare Kombi­na­tion zwischen mensch­li­chen Begeg­nungen und dem gemein­samen Lobpreis Gottes durch unsere Gesänge. Wir danken Gott für seine Nähe im Zeichen des Brotes, der alle unsere Wege im Leben begleitet.

Morgen, am Fest Fron­leichnam, gehen wir wieder in den verschie­denen Gemeinden durch unsere Straßen, stärken uns gegen­seitig im Glauben durch das gemein­same Singen, Beten und mensch­liche Begeg­nungen! Dabei geben wir auch Zeugnis von unserem Glauben für Menschen, die so eine Prozes­sion sehen und nichts damit anfangen können.

Ein Text von Wilhelm Wilms berührt mich immer wieder: „Anfrage an Teil­nehmer bei einer Fron­leich­nams­pro­zes­sion zu dem „kleinen weißen Scheib­chen Brot“.

Ich fragte die Leute: „Was ist das?“ 
Da sagte einer, ein Tief­ge­beugter: „Das ist ein Stück­chen Brot, hinter dem unge­heuer viel steckt.“
Ich war betroffen von dem Ausdruck seiner Stimme und fragte: „Was denn? Was steckt dahinter? Sag es mir!“
Da sagte eine alte Frau, sie war einfach gekleidet, ganz einfach; eine nicht einfach geklei­dete Frau hätte so etwas gar nicht sagen können. Sie sagte nämlich: „Hinter diesem Stück­chen Brot steckt meine letzte Hoff­nung, dass ich doch einmal gesät­tigt werde. Ich habe eine gute Rente“, sagte die alte Frau, „und kann mir viel Brot kaufen, und kann jeden Tag ins Café gehen, aber, das will ich ihnen sagen, ich habe noch kein Brot gefunden, das mich satt macht. Aber dieses weiße Scheib­chen ist meine Hoff­nung, denn da steckt unge­heuer viel hinter, ein Mann, ein Mensch wie wir, der hat sich selbst wegge­geben, der wurde selbst Brot. Wissen sie“, sagte die Alte, „so einer, der sich selbst weggibt, so etwas ist meine letzte Hoff­nung, mein Himmel.“

So wünsche ich uns morgen einen frohen Tag der Begeg­nungen und der gegen­sei­tigen Stär­kung im Glauben an den Gott, der uns auf allen unseren Lebens­wegen nahe sein will und uns begleitet.

Sr. Gertrudis Lüneborg
(Gemein­de­re­fe­rentin im PR Olpe- Drolshagen)

 

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