Gedanken zum Tag – 25. Oktober 2026 – 30. Sonntag im Jahreskreis

25. Okt. 2026

„Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“

Diese Worte gehören zu den bekann­testen Aussagen von Papst Johannes Paul II, dessen Gedenktag am 22. Oktober gefeiert wurde. Sie stehen sinn­bild­lich für sein Ponti­fikat und für eine Botschaft, die bis heute Menschen auf der ganzen Welt bewegt: die Einla­dung, Gott zu vertrauen, den Glauben mutig zu leben und sich mit offenem Herzen den Heraus­for­de­rungen unserer Zeit zu stellen. Der christ­liche Glaube wurde für ihn zu einer Kraft­quelle, die ihm Orien­tie­rung, Hoff­nung und Zuver­sicht schenkte.

Johannes Paul II. war ein Papst, der den Menschen nahe sein wollte. Er reiste in zahl­reiche Länder, begeg­nete Menschen unter­schied­li­cher Kulturen und Reli­gionen und suchte den Dialog. Beson­ders junge Menschen lagen ihm am Herzen. Er ermu­tigte sie, Verant­wor­tung zu über­nehmen, nach dem Sinn des Lebens zu fragen und sich nicht von Schwie­rig­keiten entmu­tigen zu lassen. Seine Botschaft war dabei klar: Jeder Mensch besitzt eine unver­äu­ßer­liche Würde, weil er von Gott gewollt und geliebt ist.

Auch für Frieden und Versöh­nung setzte sich Johannes Paul II. ein. Er wandte sich gegen Krieg, Gewalt und Unter­drü­ckung und trat für die Frei­heit der Menschen ein. Seine Herkunft aus Polen und seine Erfah­rungen mit tota­li­tären Herr­schafts­sys­temen prägten sein Verständnis von Frei­heit und Menschen­würde. Zugleich wusste er, dass echter Friede mehr braucht als poli­ti­sche Verein­ba­rungen: Er beginnt auch dort, wo Menschen einander vergeben, Vorur­teile über­winden und bereit sind, aufein­ander zuzu­gehen. 

Zu seinem Leben gehörten jedoch nicht nur große öffent­liche Auftritte und welt­weite Reisen. Auch Krank­heit, körper­liche Schwäche und zuneh­mende Gebrech­lich­keit wurden in seinen letzten Lebens­jahren sichtbar. Er zeigte sich dennoch immer wieder öffent­lich und ließ erkennen, dass auch ein verletz­li­cher Mensch Zeugnis geben kann. Seine Schwäche verbarg er nicht. Die Würde eines Menschen nicht von seiner Leis­tungs­fä­hig­keit abhängig. 

Was können wir heute von Johannes Paul II. lernen? Viel­leicht vor allem, den Mut zum Vertrauen nicht zu verlieren. Das Leben verläuft selten gerad­linig. Es gibt Zeiten der Freude, aber auch Tage, an denen Sorgen, Krank­heit oder persön­liche Enttäu­schungen unseren Blick verdun­keln. Dann fällt es schwer, hoff­nungs­voll in die Zukunft zu schauen. Der Glaube nimmt uns diese Erfah­rungen nicht ab. Aber er kann uns helfen, sie nicht als das letzte Wort über unser Leben zu verstehen. 

Die Auffor­de­rung „Habt keine Angst!“ bedeutet deshalb nicht, dass wir niemals Angst haben dürfen. Sie lädt uns viel­mehr ein, uns von der Angst nicht beherr­schen zu lassen. Wir dürfen unsere Sorgen vor Gott bringen und darauf vertrauen, dass wir mit ihnen nicht allein bleiben. Manchmal zeigt sich diese Zuver­sicht in einem Gebet, manchmal im Gespräch mit einem vertrauten Menschen. Und wo jemand den Glauben verloren hat oder nach Orien­tie­rung sucht, können wir durch unser eigenes Leben zeigen, dass die Botschaft Jesu auch heute trägt. 

Johannes Paul II. hat uns daran erin­nert, Christus nicht nur in den Kirchen zu suchen, sondern ihm auch im Alltag Raum zu geben: in unseren Entschei­dungen, in unserem Umgang mitein­ander und in unserer Bereit­schaft, Verant­wor­tung zu über­nehmen. Viel­leicht ist das die Frage, die uns dieser Tag mit auf den Weg geben möchte: Wo könnte ich heute ein wenig mehr Vertrauen wagen? Wem könnte ich Mut machen? Und wo kann ich durch eine kleine Geste der Aufmerk­sam­keit zeigen, dass Hoff­nung lebendig ist?

Heinz Heider

(Gemein­de­mit­glied St. Martinus)

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