„Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“
Diese Worte gehören zu den bekanntesten Aussagen von Papst Johannes Paul II, dessen Gedenktag am 22. Oktober gefeiert wurde. Sie stehen sinnbildlich für sein Pontifikat und für eine Botschaft, die bis heute Menschen auf der ganzen Welt bewegt: die Einladung, Gott zu vertrauen, den Glauben mutig zu leben und sich mit offenem Herzen den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen. Der christliche Glaube wurde für ihn zu einer Kraftquelle, die ihm Orientierung, Hoffnung und Zuversicht schenkte.
Johannes Paul II. war ein Papst, der den Menschen nahe sein wollte. Er reiste in zahlreiche Länder, begegnete Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen und suchte den Dialog. Besonders junge Menschen lagen ihm am Herzen. Er ermutigte sie, Verantwortung zu übernehmen, nach dem Sinn des Lebens zu fragen und sich nicht von Schwierigkeiten entmutigen zu lassen. Seine Botschaft war dabei klar: Jeder Mensch besitzt eine unveräußerliche Würde, weil er von Gott gewollt und geliebt ist.
Auch für Frieden und Versöhnung setzte sich Johannes Paul II. ein. Er wandte sich gegen Krieg, Gewalt und Unterdrückung und trat für die Freiheit der Menschen ein. Seine Herkunft aus Polen und seine Erfahrungen mit totalitären Herrschaftssystemen prägten sein Verständnis von Freiheit und Menschenwürde. Zugleich wusste er, dass echter Friede mehr braucht als politische Vereinbarungen: Er beginnt auch dort, wo Menschen einander vergeben, Vorurteile überwinden und bereit sind, aufeinander zuzugehen.
Zu seinem Leben gehörten jedoch nicht nur große öffentliche Auftritte und weltweite Reisen. Auch Krankheit, körperliche Schwäche und zunehmende Gebrechlichkeit wurden in seinen letzten Lebensjahren sichtbar. Er zeigte sich dennoch immer wieder öffentlich und ließ erkennen, dass auch ein verletzlicher Mensch Zeugnis geben kann. Seine Schwäche verbarg er nicht. Die Würde eines Menschen nicht von seiner Leistungsfähigkeit abhängig.
Was können wir heute von Johannes Paul II. lernen? Vielleicht vor allem, den Mut zum Vertrauen nicht zu verlieren. Das Leben verläuft selten geradlinig. Es gibt Zeiten der Freude, aber auch Tage, an denen Sorgen, Krankheit oder persönliche Enttäuschungen unseren Blick verdunkeln. Dann fällt es schwer, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen. Der Glaube nimmt uns diese Erfahrungen nicht ab. Aber er kann uns helfen, sie nicht als das letzte Wort über unser Leben zu verstehen.
Die Aufforderung „Habt keine Angst!“ bedeutet deshalb nicht, dass wir niemals Angst haben dürfen. Sie lädt uns vielmehr ein, uns von der Angst nicht beherrschen zu lassen. Wir dürfen unsere Sorgen vor Gott bringen und darauf vertrauen, dass wir mit ihnen nicht allein bleiben. Manchmal zeigt sich diese Zuversicht in einem Gebet, manchmal im Gespräch mit einem vertrauten Menschen. Und wo jemand den Glauben verloren hat oder nach Orientierung sucht, können wir durch unser eigenes Leben zeigen, dass die Botschaft Jesu auch heute trägt.
Johannes Paul II. hat uns daran erinnert, Christus nicht nur in den Kirchen zu suchen, sondern ihm auch im Alltag Raum zu geben: in unseren Entscheidungen, in unserem Umgang miteinander und in unserer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht ist das die Frage, die uns dieser Tag mit auf den Weg geben möchte: Wo könnte ich heute ein wenig mehr Vertrauen wagen? Wem könnte ich Mut machen? Und wo kann ich durch eine kleine Geste der Aufmerksamkeit zeigen, dass Hoffnung lebendig ist?
Heinz Heider
(Gemeindemitglied St. Martinus)



