Gedanken zum Tag – 12. Juli 2026 – 15. Sonntag im Jahreskreis

12. Juli 2026

Gedenk­stät­ten­fahrt nach Buchenwald

Stellt euch vor, ihr geht durch ein Tor, unter dem steht: „Jedem das Seine“. Was klingt wie ein Satz über Gerech­tig­keit, war in Wirk­lich­keit der Eingang zu einem Ort des Unrechts und des Leids. Wir möchten erzählen, was wir auf unserer Gedenk­stät­ten­fahrt nach Buchen­wald mit unserer Stufe gelernt haben und was uns immer noch bewegt.

Am ersten Tag haben wir uns die Seite der Täter (Nazis) und ihre Skru­pel­lo­sig­keit gegen­über den Häft­lingen ange­sehen. Beson­ders sprachlos machte uns, wie die SS-Männer die Häft­linge so mani­pu­liert und unfair behan­delt haben, dass sie gestorben sind. Die Täter wohnten mit ihren Fami­lien nur wenige Meter entfernt von den Lagern. So verab­schie­dete sich beispiels­weise ein SS-Mann liebe­voll von seiner Familie, um dann ohne Emotionen Menschen zu quälen und sogar umzu­bringen. Was uns bis heute stark bewegt, ist die nicht vorhan­dene Schuld­ein­sicht der Täter und wie die dama­ligen Einwohner der benach­barten Stadt Weimar so taten, als wüssten sie nichts vom KZ.

Der nächste Tag war aber noch emotio­naler für uns, denn wir haben uns die Seite der Häft­linge und ihre Geschichten ange­sehen. So auch die Geschichte des Predi­gers von Buchen­wald: Paul Schneider. Er wurde als poli­ti­scher Häft­ling nach Buchen­wald verschleppt, verlor aber nie das Vertrauen in Gott und gab seinen Mithäft­lingen sogar aus seiner Einzel­zelle heraus Hoff­nung, dass es einen Gott gibt, der sie retten wird.

Die Besich­ti­gung der Verbren­nungs­an­lagen hat uns nochmal klar­ge­macht, wie unwürdig die Häft­linge behan­delt wurden und wie sehr sie als unwichtig galten. Sie wurden verbrannt und auf Haufen geschmissen, statt in einem Grab begraben zu werden. Sehr berüh­rend war auch der Raum mit Gedenk­ta­feln von beispiels­weise Kindern, die ihre Eltern­teile nie kennen­ge­lernt haben, aufgrund der grau­samen Taten der Nazis.

Ein Ort, der uns nochmal klar­ge­macht hat, wie viele Menschen in Buchen­wald gelitten haben, waren die Massen­gräber. Dort allein wurden 1945 3000 Tote nieder­ge­lassen. Dies ist aller­dings nur ein kleiner Anteil der Menschen, die in den acht Jahren gestorben sind. Diese Momente der Reali­sa­tion haben unsere Fahrt stark geprägt und uns nochmal klar­ge­macht, wie wichtig dieses Thema ist.

Wir sind sehr dankbar, dass unsere Schule uns diese Erfah­rung ermög­licht hat, denn wir konnten viel mitnehmen. Aber beson­ders klar wurde uns auch, dass wir als Gene­ra­tion handeln und es wichtig ist zu wissen, dass sich dieser bedeu­tende Teil der deut­schen Geschichte niemals wieder­holen darf. Ebenso gelernt haben wir, dass man, egal wie hoff­nungslos man sich fühlt, nie das Vertrauen und die Hoff­nung in Gott verlieren darf.

Abschlie­ßend möchten wir noch ein Zitat teilen, welches uns sehr im Kopf geblieben ist:

„Die Schön­heit der Welt ist der Regen­bogen an Menschen mit vielen verschie­denen Hinter­gründen, und das muss gefeiert werden.“ 
(Sol Lurie, ehema­liger Häft­ling des KZ Buchenwald)

Made­leine Klur und Joi Heite
(Schü­le­rinnen der Stufe 9 am SGO)

 

Noch ein Hinweis in eigener Sache:

Wenn Sie, liebe Lese­rinnen und Leser, auch solche Gedanken über das Leben oder über irgend­etwas anderes haben, dann schreiben Sie es auf und schi­cken es uns. Wir freuen uns über jeden Beitrag! Falls Sie in Ihrem Beitrag (ausnahms­weise!) fremde Texte/Textteile verwenden, beachten Sie bitte UNBEDINGT die Urheberrechte.

Sie können uns schreiben unter gedankenzumtag@gmx.de .

 

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