Gedenkstättenfahrt nach Buchenwald
Stellt euch vor, ihr geht durch ein Tor, unter dem steht: „Jedem das Seine“. Was klingt wie ein Satz über Gerechtigkeit, war in Wirklichkeit der Eingang zu einem Ort des Unrechts und des Leids. Wir möchten erzählen, was wir auf unserer Gedenkstättenfahrt nach Buchenwald mit unserer Stufe gelernt haben und was uns immer noch bewegt.
Am ersten Tag haben wir uns die Seite der Täter (Nazis) und ihre Skrupellosigkeit gegenüber den Häftlingen angesehen. Besonders sprachlos machte uns, wie die SS-Männer die Häftlinge so manipuliert und unfair behandelt haben, dass sie gestorben sind. Die Täter wohnten mit ihren Familien nur wenige Meter entfernt von den Lagern. So verabschiedete sich beispielsweise ein SS-Mann liebevoll von seiner Familie, um dann ohne Emotionen Menschen zu quälen und sogar umzubringen. Was uns bis heute stark bewegt, ist die nicht vorhandene Schuldeinsicht der Täter und wie die damaligen Einwohner der benachbarten Stadt Weimar so taten, als wüssten sie nichts vom KZ.
Der nächste Tag war aber noch emotionaler für uns, denn wir haben uns die Seite der Häftlinge und ihre Geschichten angesehen. So auch die Geschichte des Predigers von Buchenwald: Paul Schneider. Er wurde als politischer Häftling nach Buchenwald verschleppt, verlor aber nie das Vertrauen in Gott und gab seinen Mithäftlingen sogar aus seiner Einzelzelle heraus Hoffnung, dass es einen Gott gibt, der sie retten wird.
Die Besichtigung der Verbrennungsanlagen hat uns nochmal klargemacht, wie unwürdig die Häftlinge behandelt wurden und wie sehr sie als unwichtig galten. Sie wurden verbrannt und auf Haufen geschmissen, statt in einem Grab begraben zu werden. Sehr berührend war auch der Raum mit Gedenktafeln von beispielsweise Kindern, die ihre Elternteile nie kennengelernt haben, aufgrund der grausamen Taten der Nazis.
Ein Ort, der uns nochmal klargemacht hat, wie viele Menschen in Buchenwald gelitten haben, waren die Massengräber. Dort allein wurden 1945 3000 Tote niedergelassen. Dies ist allerdings nur ein kleiner Anteil der Menschen, die in den acht Jahren gestorben sind. Diese Momente der Realisation haben unsere Fahrt stark geprägt und uns nochmal klargemacht, wie wichtig dieses Thema ist.
Wir sind sehr dankbar, dass unsere Schule uns diese Erfahrung ermöglicht hat, denn wir konnten viel mitnehmen. Aber besonders klar wurde uns auch, dass wir als Generation handeln und es wichtig ist zu wissen, dass sich dieser bedeutende Teil der deutschen Geschichte niemals wiederholen darf. Ebenso gelernt haben wir, dass man, egal wie hoffnungslos man sich fühlt, nie das Vertrauen und die Hoffnung in Gott verlieren darf.
Abschließend möchten wir noch ein Zitat teilen, welches uns sehr im Kopf geblieben ist:
„Die Schönheit der Welt ist der Regenbogen an Menschen mit vielen verschiedenen Hintergründen, und das muss gefeiert werden.“
(Sol Lurie, ehemaliger Häftling des KZ Buchenwald)
Madeleine Klur und Joi Heite
(Schülerinnen der Stufe 9 am SGO)
Noch ein Hinweis in eigener Sache:
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch solche Gedanken über das Leben oder über irgendetwas anderes haben, dann schreiben Sie es auf und schicken es uns. Wir freuen uns über jeden Beitrag! Falls Sie in Ihrem Beitrag (ausnahmsweise!) fremde Texte/Textteile verwenden, beachten Sie bitte UNBEDINGT die Urheberrechte.
Sie können uns schreiben unter gedankenzumtag@gmx.de .



