Heute ist Nikolaustag und damit auch Patronatsfest der Kirche in Rehringhausen, wo ich lebe. Noch immer gibt es in unserem Dorf den Brauch, dass „Nikolaus“ die Familien mit Kindern besucht. Er kommt im Gegensatz zu seinem rotbemantelten und plüschbesetzten weltlichen Kollegen mit Bischofsmütze, Hirtenstab und festlichem Gewand daher, eine dem heiligen Mann würdige Ausstattung, die seit Jahrzehnten in der Gemeinde weitergereicht und gepflegt wird.
Robert Mensing, Priester und früherer Leiter der St. Ursula Schule in Attendorn, schreibt dazu in seinem Heft „Nikolaus von Myra“: „Die Mythen von Santa, Väterchen Frost und Weihnachtsmann verbergen den historischen Nikolaus und halten ihn doch zugleich gegenwärtig. Seine bunte Hülle teilen sich Werbefachleute und Verkaufsstrategen. Sie stutzen sein Gewand modisch zurecht zu Weihnachtsmännern, Nikofanten, Kamin-entsteigenden Santas und Pin-Ups in Bademänteln.“
Tatsächlich ist kaum ein Heiliger heute noch so präsent und mit seinem Gedenktag terminlich verankert wie Nikolaus – dem Weihnachtsmann sei Dank. Als Christen können wir auf den wahren Kern dieses frühen Glaubenszeugen schauen und ihn vor allem unseren Kindern als einen von seinem Gott überzeugten und hilfsbereiten Menschen nahebringen.
Das Bonifatiuswerk fasst unter nikolaus-von-myra.de die eher spärlichen Fakten zum historischen Nikolaus und eine Fülle an Geschichten, Liedern und Bräuchen zum familiären Gebrauch übersichtlich zusammen und bietet damit Material, das zur Gestaltung des Nikolaustages genauso beitragen kann wie die fair gehandelten Schoko-Nikolausfiguren aus dem Olper Kirchenladen in der OT.
Aus dem Kinderglauben an den heiligen Nikolaus können Anker für das Leben entstehen. Die alten Legenden haben mit ihren Geschichten von Not und Leid nichts an Aktualität verloren. Katastrophen und Missstände, von denen sie berichten, füllen heute genauso die Nachrichten. Uns Christen trägt dabei der Glaube, dass Gott mit uns auf dem Weg ist. Wir können jederzeit im Gebet unsere Ängste und Sorgen in Gottes Hände legen und auf seine Hilfe vertrauen. Die Heiligen mit ihrer Lebenserfahrung sind uns dabei die Vorbilder, die wir heute so dringend brauchen. Robert Mensing sagt dazu: „Nikolaus war ein Mann, der andere mit seiner Hoffnung ansteckte – bis heute.“
Mich beeindruckt, wie praxisnah und sympathisch dieser Mann war. Nikolaus handelte, wo er Not sah. Er fragte nicht nach Stand, Religionszugehörigkeit, Nationalität. Er sah den Menschen und stand ihm zur Seite. Sein Glaube wurde im Alltag konkret, sein Bischofsstand entfernte ihn nicht vom Leben und Leiden des „kleinen Mannes“. Er blieb den Menschen nah. Dieses Füreinanderdasein braucht´s wie eh und je – durch Priester, durch Sie, durch Dich, durch mich. Nikolaus hatte genial einfache Ideen – schauen wir uns das bei ihm ab.
Jutta Ohm
(Gemeindemitglied von St. Nikolaus Rehringhausen und Mitarbeiterin im Team Maria 2.0 im Kreis Olpe)
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