Gedanken zum Tag – 22. Juli 2026 – Jahrestag der Weihe der Pader­borner Bischofskirche

22. Juli 2026

Unka­puttbar

Wir haben gegen­über unserem Haus einen kleinen Garten, der an der Stadt­mauer entlang geht, der klein aber fein ist, etwas Wiese hat, um sich auch mit 10 Leuten am Tisch zum Essen zu treffen, an der Mauer entlang viele schöne Horten­si­en­bü­sche und andere Blumen, die jetzt langsam anfangen zu blühen, ein paar Johan­nis­beer- und Stachel­beer­sträu­cher, um mit den Früchten Marme­lade zu kochen – und eine ziem­lich große Ecke mit Bodendeckerrosen.

Die sind für mich das absolut faszi­nie­rende in unserem Garten. Vor einigen Jahren musste ein gebro­chenes Kabel in drei Meter Tiefe gesucht und ausge­tauscht werden. Also wurde quasi die Fläche von 3 Quadrat­me­tern 3 Meter tief ausge­hoben, eine riesige Holz­ka­bel­trommel schon mal geholt und genau auf den Rosen abge­legt. Tja, das war es wohl. Nach mehr als zwei Wochen wurde die Trommel wieder entfernt und abtrans­por­tiert. Von den Rosen war nichts mehr zu sehen.

Ein Jahr später lugten ein paar kleine rote Blüten aus dem Rest des Busches, im vergan­genen Jahr noch ein paar mehr und in diesem Jahr ist es, als sei niemals eine tonnen­schwere Kabel­trommel auf ihnen gelastet, die alles Leben abge­drückt hat. Der Busch blüht in einer Fülle, wie nie zuvor und oft bleiben Spazier­gänger stehen und genießen diese Pracht.

Manchmal geht es vielen von uns im realen Leben auch nicht anders. Da lasten Arbeit, Krank­heit, Nöte und Schwie­rig­keiten auf uns und es herrscht das Gefühl vor, alles wird erdrückt und es bleibt keine Luft mehr zum Atmen, kein Raum mehr für Entwick­lung, keine Energie mehr für mehr als nur zu existieren.

Aber wir Menschen haben von Gott eine unsterb­liche Seele bekommen und manchmal braucht es nur ein Gebet, nur einen freund­li­chen Blick, nur eine Zusage des Beistands, nur eine kleine Hilfe im Alltag, und Leib und Seele können wieder aufleben, aufschauen, aufblühen.

Eine Frau im kriegs­zer­störten Butscha hat neben ihrem zerbombten Haus einen Garten ange­legt, Gemüse gepflanzt und einen Rosen­stock. Zur Verblüf­fung des Repor­ters sagt sie: „Gott hat uns das Leben gegeben und uns über­leben lassen. Jetzt werden wir ernten, was wir zum Leben brau­chen und die Rose wird IHN, unseren Gott loben“.

Ich bin beein­druckt und faszi­niert von der Kraft dieser Frau und ihrem Mut und ihrem Glauben.

Sr. Katha­rina Hartleib
(Konvent San Damiano)

 

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