Olper Wallfahrt nach Werl 2026
Seit 1661, also nunmehr 365 Jahren, befindet sich das Gnadenbild „Trösterin der Betrübten“ in Werl. Seit dieser Zeit ist Werl ein Marienwallfahrtsort.
In Jahr 1760 begannen auch Menschen aus Olpe, sich dorthin auf den Weg zu machen. Anfangs als jährliche Fußwallfahrt, später verlagert auf die neuen Möglichkeiten Eisenbahn und Bus, seit 1985 wieder als Fußwallfahrt, so wie in den Anfängen.
Waren es früher die Nöte der Menschen und die inständige Bitte um Hilfe und Schutz, so steht heute mehr im Vordergrund, dass die Wallfahrer außeralltägliche Erfahrungen tanken möchten auf der Suche nach dem individuellen Lebenssinn in einer kompliziert gewordenen Welt. Das diesjährige Wallfahrtsmotto lädt in besonderer Weise dazu ein: „Wenn es dir guttut, dann komm“.
Beim ersten Hören könnten wir vermuten, dass dieses Motto dem Werbetext einer modernen Wellnessoase mit verschiedenen Wohlfühlmöglichkeiten entnommen wäre. Jedoch ist das Wort schon sehr alt. Es stammt vom heiligen Franz von Assisi, der vor 800 Jahren gestorben ist. Seine Einladung hat er an seinen Ordensmitbruder Leo geschrieben, der sich damals in einer persönlichen Krise befand. Leo war von Zweifeln und Ängsten geplagt und Franziskus wollte im dadurch helfen, dass er ihm anbot, bei ihm zu verweilen und Ruhe zu finden.
Nähe zu finden und sich fallen lassen zu können, sind so wohltuend wie essen und trinken am Tag und der Schlaf in der Nacht. Sie helfen uns loszulassen, Angewiesenheit anzunehmen und Geborgenheit zu spüren.
So heißt es bei Romano Guardini: „Das ist der Gastfreundschaft tiefster Sinn: dass ein Mensch dem Anderen Rast gebe auf der großen Wanderschaft zum ewigen Zuhause. Dass er für eine Weile ihm Bleibe gebe für die Seele, Kraft, Ruhe und das Vertrauen: Wir sind Weggenossen und haben gleiche Fahrt.“
Aber Franz hat seinen Freund Leo nicht nur eingeladen, er hat ihm auch schriftlich ein Segenswort zukommen lassen. Er schrieb den Namen „Leo“ auf Pergament und malte darüber ein großes T, das an den griechischen Buchstaben Tau und sein hebräisches Äquivalent erinnert. Ein T oder Kreuz auf die Stirn eines Menschen zu zeichnen, bedeutet, ihn als Gottes Eigentum kenntlich zu machen, „damit ihn keiner erschlage, der ihn finde“ (Gen 4,15; Ez 9,3). Gesegnet zu sein heißt: Dir kann letztendlich nichts passieren.
So dürfen wir in diesem Jahr wieder unterwegs sein. Wir gehen am 2. Juli los, an jenem Tag, an dem in der Liturgie die beiden Frauen Maria und Elisabeth sich treffen und austauschen und werden am 5. Juli wieder in Olpe sein, wenn wir im Sonntagsevangelium von Jesus hören: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen sein! Ich will euch erquicken“ (Mt 11,28).
Eine einladende und segnende Wallfahrt wünscht
Friedhelm Rüsche
(Pastor)
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