50 Jahre OT Olpe – Ein Haus schreibt Geschichte
Ein mutiger Anfang
Alles begann mit einer klaren Diagnose. 1968 stellte Dr. Hermann Storck, damals Vorsitzender des Pfarrgemeinderates St. Martinus, fest: „Die Arbeit für die Jugend liegt in Olpe sehr im Argen.“ Was zunächst wie eine nüchterne Analyse klang, wurde zum Ausgangspunkt einer Idee, die das Leben vieler Generationen prägen sollte. Schnell war klar: Die Jugend brauchte einen Ort – keinen stillen, keinen belehrenden, sondern einen offenen. Einen Raum für Ideen, gemeinsame Aktionen und auch mal zum Abhängen.
1969 nahm diese Vision Gestalt an. Mit der Gründung eines Förderkreises unter Vorsitz des ehemaligen Stadtdirektors von Olpe, Paul Habbel, sollte zuerst eine Altentagesstätte, eine Familienbildungsstätte und ein Haus der Offenen Tür entstehen. Nachdem sich für die anderen Bereiche alternative Lösungen fanden, fiel 1971 die Entscheidung, die Offene Tür gemeinsam mit einem Gemeindezentrum zu verwirklichen.
Dass dafür ein Stück Stadtgeschichte weichen musste, zeigt, wie ernst es den Verantwortlichen war. Bereits 1919 wurde ein Grundstück am Hexenturm erworben, um dort ein modernes Vereinshaus einzurichten. Erst einige Jahrzehnte später wurde die „Alte Post“, einst das älteste Haus Olpes, abgerissen, um Platz für etwas Neues und Zukunftsweisendes zu schaffen.
Rohbau am Hexenturm, Foto: OT Olpe
Aus einer Idee wird Wirklichkeit
Unter der Trägerschaft der Kath. Kirchengemeinde St. Martinus wurden die Planungen konkretisiert. Mit der Grundsteinlegung am 16. November 1974 begann die Bauphase. Die große Unterstützung der Bevölkerung zeigte sich auch finanziell: Statt der anfangs geplanten 70.000 DM kamen durch mehrere Aktionen, wie z.B. ein Spendenfußballspiel, mehr als viermal so viele Spendengelder zusammen.
Noch während der Bauzeit wurde 1975 mit Helmut Nieborowsky der erste hauptamtliche Leiter eingestellt.
Am 4. Mai 1976 war es dann so weit: Die OT Olpe wurde durch den aus Olpe stammenden Weihbischof Paul-Werner Scheele feierlich eingeweiht. Ein Moment voller Aufbruchstimmung – begleitet vom Lied „Der Himmel geht über allen auf“, das sinnbildlich für das stand, was hier entstehen sollte: Offenheit, Gemeinschaft und neue Perspektiven.
Von Beginn an bot die OT weit mehr als Freizeitprogramme. Discoabende, Filmclub, Fotokurse, Theatergruppen, Tischtennis und Ferienaktionen schufen ein vielfältiges Angebot.
Vor allem aber bot die OT jungen Menschen etwas, das sich nicht in Programmpunkten ausdrücken lässt: Freiraum.
Hier trafen sich Jugendliche unterschiedlichster Interessen und Lebenswelten. Während draußen Traditionen, Vereine und Schützenfeste das gesellschaftliche Leben prägten, entwickelte sich am „Hexenturm“ in der Frankfurter Straße ein innovativer und kreativer Ort, an dem Vielfalt selbstverständlich war.
Gerade diese Offenheit machte die OT für viele Jugendliche zu einem zweiten Zuhause.
Der eingeschlagene Weg bewährt sich
Bereits 1980 fiel die erste Bilanz positiv aus: Das Haus wurde gut angenommen und entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit in Olpe. Gleichzeitig mussten Strukturen aufgebaut, Ehrenamtliche gewonnen, aber auch das Prinzip der offenen Kinder- und Jugendarbeit erstmal erlernt werden.
Zum zehnjährigen Bestehen wurde dies mit einer Aktionswoche aus Theater, Musik, einem Festival für Künstler und Gaukler und einem spannenden Fachvortrag gefeiert.
Damals gab es vereinzelt Diskussionen über das Verhalten einzelner Jugendlicher in der Innenstadt. Pastor Wolfgang Müller stellte jedoch klar, dass die OT allen jungen Menschen offensteht und vor allem eine wichtige präventive und pädagogische Aufgabe erfüllt – ein Anspruch, der bis heute gilt.
Als Reaktion auf veränderte Familienstrukturen und den wachsenden Bedarf an Betreuung nach dem Unterricht entwickelte der damalige Leiter Heinz Brüggemann 1991 ein Konzept zur Einrichtung einer Schulkindergruppe. Später wurde im Jahr 2000 ein Hort für jüngere Schülerinnen und Schüler eingerichtet, um eine verlässliche Betreuung nach der Schule anzubieten. Mit diesen frühzeitigen Maßnahmen entstanden wichtige Bausteine, die den Weg zu heutigen Ganztagsangeboten mit vorbereiteten.
Auch technisch war die OT ihrer Zeit oft voraus. Mit der Eröffnung eines Internet-Cafés im Jahr 1996 erhielten viele Jugendliche erstmals Zugang zur digitalen Welt. Zwar stand dafür nur eine Telefonleitung zur Verfügung, dennoch markierte dieses Angebot den Beginn der Digitalisierung in der OT.

Konzert 1984, Foto: OT Olpe
Die Kulturkiste – Als Rock und Punk plötzlich nach Olpe kamen
Die „Kulturkiste“ war damals mehr als ein Veranstalterkreis. — Sie war ein kleines kulturelles Erdbeben im Sauerland.
Seit den 1970er-Jahren organisierte die Kulturkiste Konzerte, Ausstellungen, Film- und Kabarettveranstaltungen und setzte bewusst neue Akzente — und zwar zu einer Zeit, als alternative Jugendkultur ungefähr so beliebt war wie Schützenfest ohne Blasmusik.
Internationale Bands traten ebenso auf wie später bekannte deutsche Künstler. So spielten unter anderem die „Toten Hosen“ in den frühen 1980er-Jahren in der OT.
Legendär ist bis heute ein Konzert der britischen Band „Sleeping Dogs Wake“ Anfang der 1990er-Jahre. Als Musikerinnen beschlossen, oben ohne aufzutreten, wurde kurzerhand der Strom abgeschaltet. Da hatte die künstlerische Freiheit Grenzen. Die anschließende Diskussion dürfte noch lange Stoff für Gespräche geliefert haben.
Die Kulturkiste zeigte aber auch Haltung zu gesellschaftlichen Veränderungen und engagierte sich im Jahr 2009 mit einem Konzert „gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“.
Zu den bekanntesten Veranstaltungen der OT zählte das Festival „Between the Days“. Die Konzertreihe entwickelte sich zu einer festen Größe der regionalen Musikszene und war für viele der erste Kontakt mit Rock, Punk und alternativer Musik. Heute wird das Festival an anderer Stelle, immer noch mit viel leidenschaftlichem und ehrenamtlichen Engagement, fortgeführt. 2026 blickt das Event ebenfalls auf eine 50-jährige Tradition zurück.
Muggelkirmes 2023, Foto: Birgit Engel
Die Muggelkirmes – ein Olper Original
Die Muggelkirmes findet traditionell am dritten Sonntag im September zur Kirchweih statt und ist seit jeher eng mit der Geschichte der OT verbunden.
Jedes Jahr engagieren sich rund 500 Ehrenamtliche, um das große Kinder- und Familienfest rund um die St.-Martinus-Kirche zu organisieren. Die Muggelkirmes bietet eine bunte Mischung aus Spiel, Spaß und Gemeinschaft für die ganze Familie: Die Kinder sind die Stars der Muggelkirmes. Sie spielen nicht nur mit, sondern gestalten und tragen das Fest aktiv mit — von den Spielständen bis zum Bühnenprogramm.
Das Besondere: Bezahlt wird nicht mit Euro, sondern mit der eigenen Währung „Muggel“.
Der Erlös fließt seit Jahrzehnten in Entwicklungs- und Hilfsprojekte weltweit, insbesondere in Projekte des aus Olpe stammenden Steyler Missionars Pater Hugo Scheer in Brasilien.
Für ihr außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement über 50 Jahre erhielt die Muggelkirmes 2023 den Heimat-Preis der Stadt Olpe.

Treffpunkt OT Olpe heute, Foto: OT Olpe
Die Geschichte der OT wird weitergeschrieben
Über die Jahre entwickelte sich die OT stetig weiter und bietet für die unterschiedlichen Altersgruppen — Kinder, Teenies und Jugendliche – ein buntes Programm. Oder wie es einladend im Netz heißt: „In unserem Kinder- und Jugendzentrum kannst du Freunde treffen, chillen, spielen, kreativ sein und Neues ausprobieren …“
Unter der Leitung der Sozialpädagogin Duygu Kücükbicakci und ihrem Team stehen Partizipation, Respekt, Solidarität und Offenheit im Mittelpunkt. Kooperationen mit Schulen sowie die aktive Mitgestaltung durch junge Menschen sorgen dafür, dass die OT lebendig bleibt.
50 Jahre OT Olpe erzählen von mutigen Entscheidungen, engagierten Menschen und unzähligen Erinnerungen. Vor allem aber erzählen sie von einem Ort, der sich immer wieder neu erfunden hat, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Mit bis zu 300 Besucherinnen und Besuchern zählt allein der Treff jede Woche – damals wie heute.
Was 1976 mit einer mutigen Idee begann, hat sich zu einem Ort entwickelt, der Generationen junger Menschen begleitet und geprägt hat.
Ulrike Beckmann
Mitglied Kirchenvorstand St. Martinus Olpe