Gedanken zum Tag — 30.Oktober 2022 — 31. Sonntag im Jahreskreis

Am morgigen 31. Oktober gedenken die protes­tan­ti­schen Christen der Refor­ma­tion der Kirche. Diese wurde laut Über­lie­fe­rung durch Martin Luther 1517 einge­leitet. Auch wenn der Thesen­an­schlag keines­wegs erwiesen ist und Kirchen­his­to­riker Luthers Schrift „An den christ­li­chen Adel deut­scher Nation“ (1520) ohnehin für wesent­lich wich­tiger als die Thesen halten, ist doch unbe­stritten, dass Luthers Unzu­frie­den­heit mit den bestehenden Verhält­nissen – und ganz beson­ders mit dem Ablass­handel – wich­tige Trieb­feder seines Handels war.

Auch wir erleben in unseren Tagen viel­fach massive Unzu­frie­den­heit in der katho­li­schen Kirche ebenso wie bei den Protes­tanten. Sie äußert sich oftmals in Kirchen­aus­tritten, ebenso oft aber auch in der Bereit­schaft zu kriti­schem Dialog verbunden mit dem Wunsch nach Reformen.

In meinen ehren­amt­li­chen Funk­tionen erlebe ich viele Mitstreiter und Mitstrei­te­rinnen, die sich mit Herz­blut und leiden­schaft­li­chem Enga­ge­ment einbringen, um zum Gelingen von Menschen­leben beizu­tragen. Die aller­meisten von Ihnen wünschen sich eine Kirche, die der Gleich­stel­lung von Mann und Frau Rech­nung trägt, die keine Menschen wegen Ihrer Herkunft, Ethnie oder sexu­ellen Orien­tie­rung ausgrenzt, keine Geist­li­chen zur Einhal­tung des Zöli­bats zwingt und Geschie­dene nicht ausgrenzt.

Mit Blick auf den morgigen Refor­ma­ti­onstag wünsche ich mir, dass die Hoff­nungen dieser Mitstreiter und Mitstrei­te­rinnen, die ich unein­ge­schränkt teile, nicht enttäuscht werden. Zudem auch, dass wir auf dem Weg zu Reformen mitein­ander im Gespräch bleiben und die Unter­schied­lich­keit unserer Stand­punkte und Sicht­weise aushalten. Wir glauben schließ­lich alle an den einen Gott.

Herz­liche Grüße
Dr. Stefan Reißner

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