8. Dezember

8. Dez. 2021

Dieses Törchen „öffnet“ heute für Sie die Senio­ren­ein­rich­tung Marti­nus­höfe in der Kardinal-von Galen-Str. 1–3. Das Fenster ist von der Kurfürst-Hein­rich-Str. aus zu sehen.

Christ­baum­ku­geln — Eine lustige Weihnachtsgeschichte

Elfi brauchte unbe­dingt neue Christ­baum­ku­geln. Die letzten hatten 20 wunder­volle Jahre über­standen, ohne dass je eine von ihnen auch nur einen Kratzer abbe­kommen hatte. Dann kamen die Enkelkinder.
Elfi liebte ihre Enkel­kinder wirk­lich. Über alles. Aber sobald die Advents­zeit begann wurde wird Elfi jedes Jahr ein wenig nervös, wenn die Enkel­kinder zu Besuch kamen. Man konnte einfach nicht alles “hoch” stellen, so dass sie mit ihren kleinen Ärmchen nicht mehr an Glasengel, Advents­kranz oder Schwib­bogen heran­kamen. Auch die Christ­baum­ku­geln konnte Elfi irgend­wann nicht mehr höher an den Baum hängen. 20 rote Christ­baum­ku­geln aus Echt­glas kann eine Christ­baum­spitze einfach nicht alleine tragen.
In den letzten vier Jahren waren zehn von ihnen kaputt gegangen. Weitere vier hatte der Dackel der Nach­barn auf dem Gewissen, der im letzten Jahr am zweiten Weih­nachts­fei­ertag zu Besuch kam und einmal unter dem Baum hindurch fegte – der Baum kippte um.

Elfi war also auf dem Weg ins Kauf­haus, um neue Christ­baum­ku­geln zu kaufen. Rote. Wie in den letzten Jahren. Nach dem dritten Kauf­haus war sie sich bewusst, dass sie vor einem kleinen Problem stand. Es gab keine roten Christ­baum­ku­geln mehr. Jeden­falls nicht solche, die sie als rot empfand. Es gab orange-rote Kugeln, Christ­baum­ku­geln in Pink, rote Kugeln mit Pail­letten, lila­far­bene Kugeln, blaue, hell­grüne, ja sogar gelbe Christ­baum­ku­geln. Elfi hatte sich mit vielen Verkäu­fe­rinnen unter­halten, die ihr alle­samt zur Antwort gaben, dass klas­sisch rote Kugeln einfach nicht mehr modern waren. Die, die sie im Sorti­ment hatten waren entweder ausver­kauft oder aus Plastik. Plastik war zwar bruch­si­cher vor Enkeln und Nach­bars­da­ckel, kam aber für Elfi über­haupt nicht in Frage. Wie stünde sie denn da?!
In einem kleinen Geschäft in einer Seiten­gasse fand Elfi noch vier schöne, rote Christ­baum­ku­geln. Sie ließ sie gut und sicher einpa­cken und trug sie ganz vorsichtig nach Hause. Vier hatte sie. Wie aber sollte sie die vier Kugeln am Christ­baum verteilen? Horst, ihr Mann, kaufte immer große Weih­nachts­bäume, die bis unter die Decke ragten. Er meinte, das gehöre zu einem perfekten Christ­baum dazu. Für Horst-entspre­chende Weih­nachts­bäume brauchte man schon zwanzig Kugeln, das war außer Frage.
Elfi machte sich auf den Heimweg. Sie freute sich über ihre vier neuen Kugeln, war aber gleich­zeitig unglück­lich darüber, dass es eben NUR vier waren. Sie über­legte und über­legte und kam dann zu einem Entschluss:

Sie würde sich einfach nach und nach neue Christ­baum­ku­geln wünschen. Und für die Zwischen­zeit hatte sie einen Plan.

Der erste Weih­nachtstag kam. Als ihre Kinder und Enkel­kinder das Weih­nachts­zimmer betraten, staunten sie nicht schlecht. Oben sah Oma Elfis Baum aus wie in jedem Jahr. Aber unten? Da hingen ja lauter bunte Christ­baum­ku­geln: gelbe, lila­far­bene, hell­grüne, ja sogar welche in pink! Die Familie betrach­tete das “Kunst­werk” – ja, so hätte man es nennen können – aus der Ferne. Und es dauerte eine ganze Weile, bis die Enkel­kinder nach den Geschenken fragten, so verblüfft waren sie.
Elfi hatte sich gedacht, das diese “neumo­di­schen Kugeln” doch wohl eher was für die Kinder seien. Und dass es ihr dabei auch gar nichts ausge­macht hätte, wenn diese nach und nach kaputt gingen. Es war aber in diesem Jahr so, dass die Enkel so verwun­dert über den neuen Weih­nachts­baum­be­hang waren, dass sie es gar nicht wagten, auch nur eine der Kugeln anzu­fassen. Selbst der Dackel von nebenan blieb wie ange­wur­zelt in der Zimmertür stehen, als er von einer leuch­tend gelben Kugel geblendet wurde…
Elfi hatte entspannte Weih­nachts­fei­er­tage, ohne sich auch nur einmal Sorgen um ihre Christ­baum­ku­geln zu machen. Sie war nur ein wenig verwun­dert, dass in diesem Jahr keine Kugeln kaputt gingen.
Ihre Kinder aber fanden die bunten Kugeln so scheuß­lich, dass Elfi im darauf­fol­genden Jahr zu allen Anlässen neue, schöne rote Christ­baum­ku­geln geschenkt bekam. An Weih­nachten hatte sie so ihre zwanzig Kugeln wieder voll.
Und in jenem Jahr war dann alles wieder so wie früher…

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