10. Dezember

10. Dez. 2021

Liebe Kleinen und liebe Großen,

das 10. Advents­fenster findet Ihr und finden Sie in der Senio­ren­ein­rich­tung Haus Matthäus in der Bigge­straße 65.

Unser Fenster schmückt ein Engel mit einer Trom­pete. Bei uns im Haus Matthäus spielt die Musik eine wich­tige Rolle. Wir hören gerne Musik, singen selbst und manchmal tanzen wir dazu. Wir kennen zahl­reiche Lieder, denn früher wurde viel gesungen und Melo­dien bleiben lange im Gedächtnis. Das Singen im Advent gefällt uns beson­ders gut, denn die Lieder sind sehr schön und es verkürzt die Zeit bis zum Heiligen Abend. Probiert es selbst einmal aus.

Euer/ Ihr Haus Matthäus

Ein Engel auf Erden

Wenn ich Zeit habe, besuche ich Oma im Pfle­ge­heim, auch wenn sie mich meist nicht erkennt. Was früher einmal war, hat sie vergessen, und spre­chen kann sie auch nicht mehr. Sie sitzt nur in ihrem Roll­stuhl am Fenster und blickt hinaus. Auch wenn ich mit ihr spreche. Manchmal sieht sie mich auch an und wenn ich ihre Hand nehme und sie streichle, lächelt sie.

Ich erzähle Oma, was ich in der Schule erlebe und was Zuhause alles passiert, oder ich lese ihr aus meinen Büchern vor. „Sie mag deine Stimme und spürt, dass du sie lieb hast“, hat Mama mir erklärt.

Heute ist Heilig­abend. Überall im Haus raschelt es geheim­nis­voll, und aus der Küche riecht es lecker. Papa hat sich mit Tüten und Geschenk­pa­pier in sein Arbeits­zimmer zurück­ge­zogen, und Mama werkelt im Wohn­zimmer, das wir heute nicht betreten dürfen. Meine kleine Schwester Silke schläft, und ich lang­weile mich.

Da muss ich an Oma denken. Ob sie sich auch langweilt?

„Mama, ich gehe zu Oma und lese ihr die Weih­nachts­ge­schichte vor.“

„Das ist eine feine Idee!“, meint Mama. „Du bist ein Schatz, Max. Sag Oma, wir kommen morgen, und wenn es ihr gut geht, nehmen wir sie für ein paar Stunden mit nach Hause.“

Ich ziehe meine warme Jacke an und mache mich auf den Weg. Es schneit, und der Schnee knirscht unter meinen Stie­feln. Irgendwie riecht es heute auch draußen nach Weih­nachten, finde ich.

In der Halle des Heimes steht ein hoher, geschmückter Weih­nachts­baum mit vielen Lich­tern. Die meisten Heim­be­wohner sitzen mit strah­lenden Augen davor und freuen sich. Nur Oma ist in ihrem Zimmer geblieben.

„Hallo Oma“, begrüße ich sie. „Heute ist Heilig­abend und ich möchte dir die Weih­nachts­ge­schichte erzählen. Magst du sie hören?

Oma sieht mich an und lächelt. Ich küsse sie auf die Wange und setze mich zu ihr ans Fenster. Als ich von Maria und Josef erzähle und wie schwer sie es hatten, einen Herberg­splatz zu finden, fängt Oma an, ganz leise singen. „Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht …“

Ich freue mich so, dass ich mitsinge. Oma schafft es, sich an alle drei Stro­phen zu erin­nern. Eine Kran­ken­schwester hat das Zimmer betreten. Ihre Augen sind ein wenig nass, so gerührt ist sie.

„Manchmal begegnen uns Engel auf der Erde. Du bist auch so ein kleiner Engel, Max!“, sagt sie zu mir.

Ich weiß nicht genau, wie sie das gemeint hat, aber ich finde es groß­artig, dass sich Oma ein biss­chen doch an Weih­nachten erin­nert hat.

© Elke Bräun­ling und Regina Meier zu Verl

 

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