Gedanken zum Tag – 28. Januar 2024 – 4. Sonntag im Jahres­kreis – hl. Thomas von Aquin

28. Jan 2024

Vorräte für den Winter

In den Tagen zwischen den Jahren habe ich die Auto­bio­grafie von Leo Lionni gelesen.

Eine der vielen schönen Geschichten von Leo Lionni ist die von „Frede­rick“. Der lebt mit seiner Feld­mäu­se­fa­milie an einer alten Stein­mauer nahe bei einem Korn­spei­cher. Aber irgend­wann zogen die Bauern weg und der Korn­spei­cher war leer. Und so mussten die kleinen Mäuse Tag und Nacht sammeln und suchen, damit sie Körner, Nüsse, Weizen und Stroh zusam­men­sam­meln und für den Winter einla­gern konnten. Außer Frede­rick. Auf die Anfrage der anderen Mäuse gab er zu bedenken: Ich sammle Sonnen­strahlen für die kalten dunklen Winter­tage, ich sammle Farben, denn der Winter ist grau, ich sammle Wörter, denn im langen Winter haben wir irgend­wann nichts mehr, worüber wir spre­chen können.

Und so kommt es. Als der Winter lang und kalt wird, erzählt er von Sonne und Wärme, blauem Himmel und bunten Blumen, dichtet fröh­liche Gesänge und hilft seiner Familie, die dunkle, kalte, graue und hung­rige Zeit gut zu überstehen.

Role Kalk­brenner hat daraus ein wunder­schönes Lied getextet, das so beginnt:

„Ich sammle Farben für den Winter und mal sie auf ein Blatt Papier. Und wird die Welt eines Tages grau und leer, dann schenk ich meine Farben her. Ich sammle Licht für alle Blinden, die die Schön­heit dieser Welt schon nicht mehr sehn. Die gerade Wege gehn, ohne sich mal umzu­drehn, die immer nur im Schatten stehn.“

Ich finde diese Geschichte und den Song­text sehr passend für uns Glau­bende heute. In den, im Moment, nicht so leichten Zeiten welt­weit und auch in unserem Land braucht es Menschen, die innere Vorräte ange­sam­melt haben.

  • Vorräte an guten Ideen
  • Vorräte an guten Worten des Glau­bens, der Liebe und der Hoffnung
  • Vorräte an Geschichten des Volkes Gottes, die immer weiter­erzählt werden und die nie an Aktua­lität verlieren
  • Vorräte an Liedern und Gebeten, die Herz und Seele guttun, ganz gegen die schein­bare Über­macht der Fakten und der Fakenews
  • Vorräte der Zuver­sicht, weil wir ahnen und glauben, dass es einen guten Gott gibt, der uns in unserem Leben nicht allein lässt und unsere auch schwie­rigen Wege mitgeht.

Und dann braucht es Menschen, die diese Vorräte, die sie in sich tragen, bereit­willig teilen und mit vollem Herzen und vollen Händen austeilen und nicht in Sekunden zählen, wie lange dieses Austeilen, dieses Segnen dauern darf. Danke Frede­rick für diesen guten Tipp.

Sr. Katha­rina Hartleib

(Konvent San Damiano Olpe)

 

Wenn Sie, liebe Lese­rinnen und Leser, auch solche Gedanken über das Leben oder über irgend­etwas anderes haben, dann schreiben Sie es auf und schi­cken es uns. Wir geben ihre Gedanken gerne im Tages­im­puls an andere weiter. Sie können uns schreiben unter gedankenzumtag@gmx.de .

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