
Erzbischof Becker bei der Firmung 2004
Nachdem vorgestern die ersten Jugendlichen in Rhode und Dahl gefirmt wurden, werden heute die Firmfeiern in St. Marien und St. Martinus Olpe folgen.
So hätte ich wohl beginnen können, wenn wir in normalen Zeiten leben würden. Nun muss ich umformulieren:
Nachdem vorgestern die ersten Jugendlichen in Rhode und Dahl gefirmt worden wären, würden heute die Firmfeiern in St. Marien und St. Martinus Olpe folgen. – „Wären“ und „würden“ – nichts ist mehr, wie es geplant war.
Die Firmung, die an diesem Wochenende sein sollte, ist ebenso wie die Erstkommunionfeiern, die am vergangenen Sonntag stattfinden sollten, auf unbestimmte Zeit verschoben. Etwa 190 Jugendliche aus unserem Pastoralverbund hatten im November die Firmvorbereitung begonnen. Viele hatten sich auf ein großes Familienfest gefreut. – Aber nichts ist mehr, wie es geplant war.
In den Schrifttexten des heutigen Sonntags lesen wir Ähnliches. Es gibt zwei Evangelientexte zur Auswahl: Lukas 24,13–35 oder Johannes 21,1–14.
Im Lukas-Evangelium sind zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Auch für sie ist die Welt nach dem Tod Jesu nicht mehr so, wie gerade noch gedacht. „Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.“ (Lk 24,21) – Nichts ist mehr, wie es geplant war. Alles ist anders. Und den beiden Jüngern fällt nichts Besseres ein, als gemeinsam nach Emmaus zu gehen und sich gegenseitig ihr Leid zu klagen. Die Botschaft vom leeren Grab und die Nachricht von der Auferstehung sagen ihnen nichts. Aber Jesus geht mit – unerkannt.
Und im Johannes-Evangelium? Wir erleben, wie Petrus (und mit ihm auch andere) zum Alltagsgeschäftzurückkehrt: „Ich gehe fischen.“ (Joh 21,3) Trotz der zweimaligen Begegnung mit dem Auferstandenen, kann er mit dieser Auferstehungserfahrung nichts anfangen. Er kehrt zu dem zurück, was er kann: fischen. Er ist nun mal Fischer und wird es immer bleiben. Doch nein: „in dieser Nacht fingen sie nichts.“ (ebd.) Nichts ist mehr, wie es geplant war. Und der Auferstandene begegnet ihm in diesem veränderten Alltag zum dritten Mal. „Es ist der Herr“ (Joh 21,7), erkennt der Lieblingsjünger und Petrus springt ins Wasser und eilt IHM entgegen.
Zum dritten Mal schon erscheint Christus den Jüngern in dieser Erzählung des Johannes-Evangeliums. Zum zweiten Mal schon (nach Ostermontag) ist das Evangelium von den Emmaus-Jüngern für den Gottesdienst in dieser Osterzeit vorgesehen. – Ebenso wie Petrus brauchen auch wir die Wiederholung. Diese unglaubliche Botschaft von der Auferstehung, die auch uns verheißen ist, braucht Zeit um anzukommen. Wir brauchen Zeit, um ihre Bedeutung für unsere aktuelle Situation zu erfassen.
Im Lukas-Evangelium geht der Auferstandene den Weg gemeinsam mit den Jüngern nach Emmaus. Unterwegs erklärt er ihnen den Sinn der Schrift. Auch die Firmbewerberinnen und Firmbewerber sind auf dem Weg – auf dem Weg zur Firmung. Und wir, die Katechetinnen und Katecheten in der Firmvorbereitung, begleiten sie. Gemeinsam versuchen wir Gott im Leben zu entdecken und den Sinn der Schrift zu erfassen. Gemeinsam gehen wir den Weg weiter – einen unbekannten Weg, vorsichtig, tastend, neugierig. Und Christus geht mit – meist unerkannt.
Langsam, ganz langsam erkennt Simon Petrus, dass er nicht in seinen früheren Alltag zurückkehren kann. Die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 2,14.22b-33) zeigt uns einen verwandelten Simon Petrus. Aus dem Fischer Simon ist an Pfingsten Petrus, der Anführer der sich gründenden Kirche, geworden. Der Heilige Geist hat ihn ergriffen und be-Geist-ert.
Langsam, ganz langsam erkennen auch wir, dass es wohl keine Rückkehr in unseren früheren Alltag geben wird. Es gibt eine Zeit vor Corona – und eine Zeit mit Corona. Wir werden lernen, mit diesem Virus zu leben. Sicherlich wird es irgendwann einen Impfstoff geben, das Leben wird sich normalisieren. Aber unser Blick auf die Welt wird nach dieser Pandemie wohl ein anderer sein.
Und in dieser veränderten Welt wird das Leben – und auch das kirchliche Leben – wieder Fahrt aufnehmen. Auch wenn wir noch nicht wissen, wann: wir werden wieder Gottesdienste feiern, wir werden wieder Eucharistie feiern, wir werden wieder Erstkommunion feiern und wir werden auch wieder Firmung feiern. Die Auferstehung Jesu ist ein Versprechen: an Petrus, an die Jünger und auch an uns. Und in der Firmung werden wir feiern, dass auch den Firmbewerberinnen und Firmbewerbern und uns allen der Heilige Geist geschenkt ist. Wir sind eingeladen, uns be-Geist-ern zu lassen und die Frohe Botschaft von der Auferstehung in die Welt zu tragen. So gehen wir gemeinsam in eine neue Zeit – in Vorfreude auf ein großes Fest, das wir am Ende gemeinsam feiern werden.
Ihnen und Euch allen einen guten Sonntag
Andreas Berels (Gemeindereferent)



