Gedanken zum Tag – 11. Februar 2024 – 6. Sonntag im Jahreskreis

11. Feb 2024

Fasten – Beten – Almosen geben

Zum 359. Mal feiert die Stadt Olpe ihr Agatha­fest! Als jemand, der nicht in Olpe geboren und aufge­wachsen ist, beein­druckt es mich jedes Mal, wenn Bürger­meister und der Rat der Stadt das Gelübde vor Gott zu Beginn der 11.00 Uhr Messe in der St. Marti­nus­kirche erneuern, das 1665 zum ersten Mal gespro­chen wurde. Die Bürger der Stadt Olpe litten damals viel unter krie­ge­ri­schen Ausein­an­der­set­zungen und der Angst vor Seuchen und Feuer.

In ihrer Not baten sie die hl. Agatha um ihre Fürsprache bei Gott, die Stadt Olpe vor Feuers­brunst zu schützen und machten dieses Gelübde, das Fest der hl. Agatha mit Fasten, Beten und Almosen zu begehen.

Nicht nur damals, auch heute schauen wir auf das Leben Heiliger, weil sie für uns Vorbilder im Glauben sind. Vom Leben der hl. Agatha wissen wir nicht viel. Über­lie­fert ist, dass sie so konse­quent ihr persön­li­ches Gelübde, Gott allein zu dienen, gelebt hat, dass sie den Heirats­an­trag des Statt­hal­ters von Catania abge­lehnt und die daraus folgenden Folte­rungen durch die Justiz nicht gescheut hat.

Ich habe mich gefragt, wie die dama­ligen Stadt­herren auf die Kern­ge­danken des Gelübdes kamen: Fasten, Beten und Almosen geben. Es sind Grund­voll­züge christ­li­chen Glau­bens, eine leben­dige Bezie­hung zu Gott zu leben und sich wie Jesus dem Nächsten zuwenden, der in Not ist. Fasten, um sich neu auf Gott auszu­richten, offen zu werden für die Gegen­wart Gottes im Alltag und im Nächsten.

Ein Zweites ist für mich beein­dru­ckend, dass auch das Almosen geben, das damals in Natu­ra­lien statt­fand und heute in Form von Geld­spenden geschieht, ihren Ausdruck in einem eigenen Opfer­kasten findet, der unüber­sehbar in der St. Marti­nus­kirche aufge­stellt ist. Das Geld wird zwischen der Stadt und der Caritas aufge­teilt und ermög­licht so, Menschen in der Stadt Olpe unbü­ro­kra­tisch zu helfen, die in Not geraten sind. Damals wie heute leben viele Menschen unter uns, nicht nur Flücht­linge und Ausländer, immer mehr auch Deut­sche – Rentner und Fami­lien – die auf so eine Hilfe ange­wiesen sind.

Das Beten findet seinen Ausdruck in den Anbe­tungs­stunden am Nach­mittag und in der Predigt am Abend um 18.00 Uhr mit der anschlie­ßenden Prozes­sion durch die Stadt. Dabei tragen wir Gott im Zeichen des Brotes durch die Stadt und bitten die hl. Agatha um ihre Fürsprache bei Gott, die Stadt auch zukünftig vor Krieg und Feuer zu schützen. Meine Beob­ach­tung ist, dass die Anbe­tungs­stunden von Wenigen wahr­ge­nommen werden, aber die Prozes­sion auch bei schlechtem Wetter von Vielen geschätzt wird. Es ist müßig, darüber nach­zu­denken, warum dies so ist.

Das Fest der hl. Agatha lädt mich ein, zu fragen, welchen Stel­len­wert diese drei christ­li­chen Grund­voll­züge Fasten, Beten und Almosen geben in meinem Leben einnehmen. Sie haben nichts an Aktua­lität verloren. Deshalb feiere ich gerne dieses Agatha­fest in all seinen Traditionen.

Als jemand, der nicht in Olpe geboren und aufge­wachsen ist, lade ich alle Bürger der Stadt Olpe ein, dieses Fest mit Gottes­dienst, Betstunden und der abend­li­chen Prozes­sion mitzu­feiern! Es ist für mich ein Fest des Gebetes und der Begegnung!

Sr. Gertrudis Lüneborg
(Olper Fran­zis­ka­nerin und Gemeindereferentin)

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