Kreuz­ka­pelle

Ein baro­ckes Juwel in der Olper Innenstadt

Am Fuße des Bratzkopf

Die Kreuz­ka­pelle am Rand der Olper Innen­stadt blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie bei vielen Kapellen, ist der heutige Bau, wie wir ihn kennen, nicht die ursprüng­liche Kapelle. Dennoch handelt es sich um eine der ältesten Kapellen in der Umgebung.

Zum ersten Mal wurde eine Kapelle an dieser Stelle um 1500 urkund­lich erwähnt. Nachdem sie abge­bro­chen worden war, wurde sie 1736/37 neu errichtet.

Die Kreuz­ka­pelle ist relativ groß und in ihrer Bauform ein drei­seitig geschlos­sener Saalbau. Der Dach­reiter ist barock, genau wie ein großer Teil der Innen­aus­stat­tung. Sowohl der Haupt­altar, als auch die beiden Seiten­al­täre sind barocke Schnitz­werke der Gebrüder Düringer. Diese lebten eine Zeit lang in Olpe und nach ihnen wurde die Grund­schule in Rüblinghausen benannt.

Der Hoch­altar (Heilig-Kreuz-Altar) steht im Zentrum, links davon der Marien-Altar, rechts der Agatha-Altar. Der Heilig-Kreuz-Altar mit Stif­tungs­in­schrift in der den Altar abschlie­ßenden Kartu­sche “J. P. Nölle /Sexp. u. Dompfarrer / zu Speier” wurde zu Lebzeiten von dem aus Olpe stam­menden Dompfarrer und Domherrn in Speyer, Johann Peter Nölle gestiftet († 1746). Im Zentrum befindet sich ein unge­wöhn­li­ches Motiv, die Jung­frau Maria mit weißen Rosen im Haar. Darüber sieht man als Symbol des Heiligen Geistes eine Taube. Es folgt die Kreu­zi­gungs­gruppe unter einem Balda­chin und Gott­vater im Himmel. Rechts und links neben Maria kniet ein großer Engel, dahinter nicht benenn­bare weib­liche Heilige. Engel und Heilige, in meis­ter­li­cher Schnitz­kunst gefer­tigt, zeigen weit ausla­dende Gesten und wie durch einen Windzug bewegte Gewänder. Die Figuren erscheinen wie im Tanz mit eleganter Bewe­gung, Torsion der Körper und glück­lich blickenden Gesich­tern. Der Altar wird als ein Haupt­werk des Bild­hauers Johann Theodor Düringer († 1761 Hadamar) ange­sehen, eindeu­tige Belege fehlen indes.

Der Marien-Altar auf der linken Seite im Chor­raum wird Johann Niko­laus Düringer zuge­schrieben. Im Zentrum ist ein goti­sches Vesper­bild, Maria mit ihrem verstor­benen Sohn Jesus in den Armen. Die Pieta­dar­stel­lung wird flan­kiert von der spät­go­ti­sche Figur des Heiligen Rochus, der auf seine Pest­beule zeigt, sowie rechts von der baro­cken Figur des Heiligen Georg, zu dessen Füßen ein das Böse symbo­li­sie­rendes Untier sich befindet. Unter­halb der Heili­gen­fi­guren von Georg und Rochus befindet sich jeweils ein Engel. Im oberen bereich des Altars wird Johannes Nepomuk darge­stellt. Im Sockel des Altares findet sich ein Medaillon mit Maria auf einer Mondsichel.

Der Agatha-Altar auf der rechten Seite wird eben­falls Johann Niko­laus Düringer zuge­schrieben. Die Schutz­pa­tronin St. Agatha ist die zentrale Haupt­figur des Altares. Sie hält einen Palm­zweig in der rechten Hand. Sie wird flan­kiert von dem Heiligen Anto­nius von Padua in Mönchs­kutte auf der linken Seite sowie von dem Solda­ten­hei­ligen Donatus von Müns­ter­eifel. Eine Darstel­lung des Missi­ons­hei­ligen Fran­ziskus Xave­rius (mit einem Hummer als Attribut) bildet den oberen Altarab­schluss. Im Jahr 1749 wurde der Altar vollendet.

Über dem Kapel­len­haupt­ein­gang befindet sich auf der Orgel­büh­neein Orgel­pro­spekt von 1756 mit 19 Pfeifen. Außen wie innen ist der Prospekt mit durch­bro­chenen Schnit­ze­reien in spät­ba­ro­cken, muschel­för­migen Orna­menten, so genannten Rocailles, verziert.

Unter dem Orgel­pro­spekt, an der mit Kassetten und Pilas­tern geglie­derten hölzernen Empo­ren­wand, befindet sich auf einer Konsole die Holz­skulptur der thro­nenden Himmels­kö­nigin mit sieben Schmerzen. Entstanden ist sie um 1700 und wird der Atten­dorner Sasse-Werk­statt zugeschrieben.

Auf der linken Seite der Kapelle findet sich das Chris­tus­bild Vera Ikon (wahres Antlitz). Es ist eine Malerei auf Seide mit Plumen­gir­landen in Perlen­sti­ckerei. Unter dem einfach gezeigten Antlitz Christi befindet sich die Aufschrift “VULTUS XTI IN SUD S VERONICAE ROMAE” (Antlitz Christi im Schweiß­tuch der hl. Vero­nika aus Rom), inspi­riert durch eine Mosa­iki­kone in der Kirche Santa Croce in Geru­sa­lemme in Rom. Das Bildnis ist holz­ge­rahmt mit baro­cken Voluten und Pflan­zen­blät­tern, Putten, die einen Vorhang empor­halten, und zentral die Drei­viertel-Büste der trau­ernden Vero­nika. Die farbig gefasste schnit­zerei datiert 1739. Zusammen mit dem Heilig-Kreuz-Altar stif­tete Johann Peter Nölle auch das Bildnis mit dem Schweiß­tuch der Vero­nika für die Kreuzkapelle.

In der Kapelle befindet sich eine Heili­gen­statue der Heiligen Katha­rina aus Rom. Die farbig gefasste Holz­figur aus dem 18. Jahr­hun­dert hält ein schwert in der rechten Hand, welches auf ihren Tod als Märty­rerin deutet. Eine Figur der Heiligen Anna in der Szene “Unter­wei­sung Mariens” zeigt die Heilige mit der etwa zehn­jäh­rigen Maria. Die farbig gefasste Holz­statue aus der Mitte des 18. Jahr­hun­derts wird Johann Theodor Düringer zugeschrieben.

Eine Jesus Figur mit Wundmal zeigt Christus als Arzt. Die farbig gefasste Holz­figur ist um 1700 in der Sasse-Werk­statt in Atten­dorn entstanden. Es handelt sich um eine sehr seltene Darstel­lung des Ecce homo-Christus mit Salbfass.

Neun acht­eckige Ölge­mälde zieren das Decken­ge­wölbe der Kreuz­ka­pelle in Olpe. Sie zeigen haupt­säch­lich Szenen aus der Passion Christi nach gemälden von Peter Paul rubens, Harmensz Rembrandt und Anton van Dyck. Sie wurden Mitte des 18. Jahr­hun­derts von dem Olper Maler Fried­rich Adolf Rügen­berg geschaffen.

Der Dach­reiter enthält zwei kleine Bron­zeglo­cken, von denen eine täglich zum Ange­lus­ge­läut zu hören ist. Die Läut­au­to­matik, die dafür erfor­der­lich war, wurde erst vor einiger Zeit ange­schafft. Möglich wurde dies durch die Initia­tive des Freun­des­kreises der Kreuz­ka­pelle. Weiterhin wurde eine kleine Orgel ange­schafft und es wurde eine große und sehr schöne Krippe gebaut, die in der Weih­nachts­zeit in der Kapelle zu sehen ist.

Auch der Vorplatz und der Garten der Kapelle bergen einige Besonderheiten.
Vor der Kapelle befinden sich guss­ei­serne Grab­platten einiger Olper Geist­li­cher. Im Garten nörd­lich der Kapelle sind über 30 sowje­ti­sche Gefal­lene aus dem zweiten Welt­krieg begraben.

Rund um der Kapelle befinden sich Stati­ons­häs­chen, die “Sieben Fußfälle”. Sie stammen in ihrer jetzigen Form aus dem Endes des 19. Jahrhunderts.

Zu finden ist die Kreuz­ka­pelle an der Straße “Am Bratz­kopf” unmit­telbar hinter den still­ge­legten Bahn­gleisen. Zu früherer Zeit lag sie lange außer­halb der Stadt, doch heute befindet sie sich fast schon im Stadtzentrum.

Quel­len­an­gabe

Olpe. Geschichte von Stadt und Land, Heraus­ge­geben im Auftrag der Kreis­stadt Olpe von Josef Wermert. Stadt­ar­chiv Olpe, Band 4,1. Bild- und Doku­men­tar­band, Olpe 2018