Vielleicht kennen einige Leser/innen unser Bildungsprojekt „Lazos de Amistad — Bänder der Freundschaft“ von der Muggelkirmes oder anderen Aktionen her. Es ist ein Bildungsprojekt für benachteiligte Jugendliche in Kolumbien und wurde vor 14 Jahren von meinem Sohn Alexander und Pater Gabriel Naranjo aus Kolumbien gegründet. Mit Herzblut habe ich dieses Projekt immer unterstützt und Freundschaft geschlossen mit den kolumbianischen Organisatoren, die einige Male bei uns im Haus in Finnentrop unsere Gäste waren.
Mitte Juni folgte ich endlich jahrelangen Einladungen, reiste für sechs Wochen im Rahmen unseres Bildungsprojektes „Lazos de Amistad — Bänder der Freundschaft“ nach Kolumbien und konnte das wunderbare Land an vielen verschiedenen Orten in allen Richtungen bis hinunter zum Amazonas bestaunen.
Wenn da bloß nicht die furchtbare Armut u.a. unserer Geförderten wäre und die Lebensumstände (Gewalt, Drogen, Sexualität…), was mich immer noch schockiert.
Ihre Einladungen zum Essen in die ärmlichsten „Wohnungen“, oft ohne Wasser (nur Eimer mit Regenwasser), ohne Fenster, ohne Küche, ohne Türen, ohne Schränke, ohne Hygiene, aber mit einer Herzlichkeit, Gastfreundschaft, gegenseitiger Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, wovon man in Deutschland nur träumen kann. Dazu tiefer Glaube, Hoffnung und Halt an einer katholischen Kirche „zum Anfassen“. Die Priester gehen z.B. nach den Gottesdiensten mit den Gläubigen aus der Kirche und sind ansprechbar für alle und alles…
Mit großer Dankbarkeit über eine in unserem Sinne kleine Zuwendung durch unser Projekt erzählen die Jugendlichen ihre Pläne und Träume, nach ihrer Ausbildung und ihrem Abschluss arbeiten zu dürfen und das verdiente Geld zu sparen für eine kleine Wohnung mit Fenstern und fließendem, kalten Wasser. Die Mütter blickten dabei liebevoll und stolz auf ihre Kinder mit Tränen in den Augen, die auch ich immer wieder in meinen Augen spürte.
Noch krasser erlebte ich das Armenviertel Samaria mit seinen Blechhütten oder undichten Holzhütten mit schmutzigen Stofffetzen als Vorhänge und den vielen in Unrat und Dreck spielenden fröhlichen Kindern.
Alte Menschen stören in Kolumbien nicht, auch nicht in wohlhabenden Familien. So wohnten meine Begleiterin und ich elf Tage lang in Bogota bei der 76-jährigen Rosita aus unserem Projekt und ihrer 103-jährigen Mama, mit der wir viel Spaß hatten.
Ich bin immer noch dabei, meine Gefühle zu sortieren, mich wieder in den Luxus meiner schönen Mietwohnung hier in Olpe einzuleben, deutsches Meckern wegen jeder Kleinigkeit auszuhalten, und bin dem lieben Gott sehr dankbar für alles, was ich habe und bin. Machen wir Aktiven von Lazos de Amistad zusammen mit allen Spendern weiter, jetzt erst recht, um den jungen Menschen in Kolumbien das Leben ein wenig heller zu machen und Hoffnung zu schenken.
Mariele Sieler
(Gemeindemitglied aus Olpe)
Noch ein Hinweis in eigener Sache:
Jetzt in der Urlaubszeit suchen wir verstärkt Autoren für unsere „Gedanken zum Tag“. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch passende „Gedanken“ haben, „trauen Sie sich, diese Gedanken aufzuschreiben“ und uns unter gedankenzumtag@gmx.de zu schicken. Vielen Dank!