Gedanken zum Tag – 31. August 2025 – 22. Sonntag im Jahreskreis

31. Aug. 2025

Viel­leicht kennen einige Leser/innen unser Bildungs­pro­jekt „Lazos de Amistad — Bänder der Freund­schaft“ von der Muggel­kirmes oder anderen Aktionen her. Es ist ein Bildungs­pro­jekt für benach­tei­ligte Jugend­liche in Kolum­bien und wurde vor 14 Jahren von meinem Sohn Alex­ander und Pater Gabriel Naranjo aus Kolum­bien gegründet. Mit Herz­blut habe ich dieses Projekt immer unter­stützt und Freund­schaft geschlossen mit den kolum­bia­ni­schen Orga­ni­sa­toren, die einige Male bei uns im Haus in Finnen­trop unsere Gäste waren.

Mitte Juni folgte ich endlich jahre­langen Einla­dungen, reiste für sechs Wochen im Rahmen unseres Bildungs­pro­jektes „Lazos de Amistad — Bänder der Freund­schaft“ nach Kolum­bien und konnte das wunder­bare Land an vielen verschie­denen Orten in allen Rich­tungen bis hinunter zum Amazonas bestaunen.

Wenn da bloß nicht die furcht­bare Armut u.a. unserer Geför­derten wäre und die Lebens­um­stände (Gewalt, Drogen, Sexua­lität…), was mich immer noch schockiert.

Ihre Einla­dungen zum Essen in die ärmlichsten „Wohnungen“, oft ohne Wasser (nur Eimer mit Regen­wasser), ohne Fenster, ohne Küche, ohne Türen, ohne Schränke, ohne Hygiene, aber mit einer Herz­lich­keit, Gast­freund­schaft, gegen­sei­tiger Nächs­ten­liebe und Hilfs­be­reit­schaft, wovon man in Deutsch­land nur träumen kann. Dazu tiefer Glaube, Hoff­nung und Halt an einer katho­li­schen Kirche „zum Anfassen“. Die Priester gehen z.B. nach den Gottes­diensten mit den Gläu­bigen aus der Kirche und sind ansprechbar für alle und alles…

Mit großer Dank­bar­keit über eine in unserem Sinne kleine Zuwen­dung durch unser Projekt erzählen die Jugend­li­chen ihre Pläne und Träume, nach ihrer Ausbil­dung und ihrem Abschluss arbeiten zu dürfen und das verdiente Geld zu sparen für eine kleine Wohnung mit Fens­tern und flie­ßendem, kalten Wasser. Die Mütter blickten dabei liebe­voll und stolz auf ihre Kinder mit Tränen in den Augen, die auch ich immer wieder in meinen Augen spürte.

Noch krasser erlebte ich das Armen­viertel Samaria mit seinen Blech­hütten oder undichten Holz­hütten mit schmut­zigen Stoff­fetzen als Vorhänge und den vielen in Unrat und Dreck spie­lenden fröh­li­chen Kindern.

Alte Menschen stören in Kolum­bien nicht, auch nicht in wohl­ha­benden Fami­lien. So wohnten meine Beglei­terin und ich elf Tage lang in Bogota bei der 76-jährigen Rosita aus unserem Projekt und ihrer 103-jährigen Mama, mit der wir viel Spaß hatten.

Ich bin immer noch dabei, meine Gefühle zu sortieren, mich wieder in den Luxus meiner schönen Miet­woh­nung hier in Olpe einzu­leben, deut­sches Meckern wegen jeder Klei­nig­keit auszu­halten, und bin dem lieben Gott sehr dankbar für alles, was ich habe und bin. Machen wir Aktiven von Lazos de Amistad zusammen mit allen Spen­dern weiter, jetzt erst recht, um den jungen Menschen in Kolum­bien das Leben ein wenig heller zu machen und Hoff­nung zu schenken.

Mariele Sieler
(Gemein­de­mit­glied aus Olpe)

 

Noch ein Hinweis in eigener Sache:
Jetzt in der Urlaubs­zeit suchen wir verstärkt Autoren für unsere „Gedanken zum Tag“. Wenn Sie, liebe Lese­rinnen und Leser, auch passende „Gedanken“ haben, „trauen Sie sich, diese Gedanken aufzu­schreiben“ und uns unter gedankenzumtag@gmx.de zu schi­cken. Vielen Dank!

 

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