Gedanken zum Tag — 27. März 2024 — Mitt­woch der Karwoche

27. Mrz 2024

Ostern, für mich mehr als ein Auferstehungsfest!

Morgen ist es wieder soweit! Die Triduum Paschale (die Österlichen/Heiligen drei Tage) beginnen. Wir feiern das letzte Abend­mahl, den Verrat, die Kreu­zi­gung. Eigent­lich eine ziem­lich harte Kost, die uns da in den kommenden Tagen um die Ohren fliegt. Doch für uns Christen geht die Geschichte weiter! Wie erfahren nicht nur, dass es Leid gibt, wir feiern die Unglaub­lich­keit der Aufer­ste­hung Jesu. Doch die Oster­ge­schichte schenkt mir mehr als den Glauben an die Wahr­haf­tig­keit Gottes mit der Aufer­ste­hung Jesu. Sie gibt mir viele wich­tige Impulse für mein alltäg­li­ches Leben. Jedes Jahr finde ich in den Oster­tagen Anknüp­fungs­punkte für mein Leben. Aha-Erleb­nisse, die mich sortieren, mich auf Wesent­li­ches fokus­sieren und so meinen Alltag leiten und mir Mut und Kraft geben. Im Rahmen meiner Ausbil­dung zur Seel­sor­gerin für Einrich­tungen in der Einglie­de­rungs­hilfe im Erzbistum Pader­born wurde Ostern für mein Leben noch besser greifbar. Mit der Emma­us­ge­schichte erfuhr ich, wie lebens- und praxisnah mir Jesus als Vorbild im Miteinander/ in der gegen­sei­tigen „Seel­sorge“ sein kann:

Jesus Leichnam ist verschwunden. Das Grab leer. Das Entsetzen groß. Zwei Jünger, die um ihren Freund Jesu trauern, machen sich auf den Weg nach Emmaus. Sie verstehen nicht, warum das alles mit Jesus passiert ist. Warum hat Gott das zuge­lassen, es ist doch sein Sohn! Dass er aufer­standen sein könnte – nein, daran ist kaum zu glauben. Die Trauer zu groß – eine Welt zerbricht für die beiden. Auf ihrem „Lebens-“ Weg gesellt sich plötz­lich ein Fremder zu ihnen. Der Fremde hört ihnen zu, fragt nach, hat Inter­esse an ihrem Leben, an ihrer Trauer, an ihrer Ratlo­sig­keit. Er schenkt Impulse auf dem Hinter­grund des Alten Testa­ments, ermög­licht ihnen damit wieder Zugang zu zurück­lie­genden Erfah­rungen, zu Erleb­nissen mit Jesus. Doch die beiden Jünger verstehen nicht, finden keinen Zugang zu seinen Worten, zu tief ist ihre Trauer. Jesus nimmt ihnen diese Trauer nicht einfach ab. Er lässt sie reden, lässt ihnen Zeit und lässt sie ihren Weg gehen. Erst beim Abend­mahl, als sie zur Ruhe kommen und er das Brot bricht, so wie er es am Grün­don­nerstag getan hat, gehen den beiden die Augen auf und sie erkennen Jesus. Sie erin­nern sich, finden Trost und Zuversicht!

Jesus ist uns Vorbild für unser zwischen­mensch­li­ches Mitein­ander in schwerer Zeit, ist uns erster Alltags­seel­sorger. Nein, er kann uns Trauer und Kummer nicht nehmen. Doch als Wegbe­gleiter unter­stützt er uns, so dass sich der Blick wieder weiten kann und wir mehr als nur Leid und Trauer sehen können. Durch aktives Zuhören, inter­es­siertes Nach­fragen und echtes Inter­esse anein­ander ermög­li­chen wir uns gegen­seitig wieder Zugang zu den eigenen Kraft­quellen. Sie lassen uns Hoff­nung schöpfen und den Glauben an Gott lebendig werden. Unser Fragen nach dem „Warum“ bleibt viel­leicht offen, aber unser Vertrauen, dass wir auf Gott und damit auf unser Umfeld bauen können, kann wieder wachsen.

Wenn ich dem Vorbild Jesu folgen möchte, heißt das für mich als Alltags­seel­sor­gerin mit offenem Ohr und weitem Herz Wegbe­glei­terin für andere zu sein – mensch­li­ches Leben ist Leben in Gemein­schaft. Ich lasse mich auf den anderen ein, akzep­tiere den Weg, den er geht. Alltags­seel­sorge heißt für mich aber auch, auszu­halten, dass mein Gegen­über seinem eigenen Tempo folgt, damit er aufbli­cken und Hoff­nung und Trost schöpfen kann. Ich glaube, dass Jesus auch für diese Zwischen­mensch­lich­keit das wahre Funda­ment ist. So können wir Ostern – unser Aufer­ste­hungs­fest – 2024 n. Chr. ganz lebens- und praxisnah spürbar werden lassen und freudig verkünden: Jesus lebt! Er ist wahr­haft auferstanden.

Rebecca Köster
(Ehren­amt­liche im Begräb­nis­dienst im pasto­ralen Raum und Seel­sor­gerin im focus ‑Wohn­haus Am Cölschen Heck, Cari­tas­ver­band Olpe)

 

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