Am 28. März 2026 jährt sich der Bombenangriff auf unsere Kreisstadt Olpe zum 81. Mal. Es war einer der dunkelsten Tage unserer Stadtgeschichte. Menschen verloren ihr Leben, Familien wurden auseinandergerissen, Häuser zerstört – und zugleich blieb ein Schmerz zurück, der bis heute nachhallt. Ein Mahnmal dazu ist der fehlende zweite Turm unserer Martinuskirche. Dies lädt uns dazu ein, die Erinnerung an diesen schrecklichen Tag aufrecht zu erhalten.
Erinnerungskultur bedeutet, dass wir solchen Tagen Raum geben. Nicht, um in der Vergangenheit stehen zu bleiben, sondern um aus ihr zu lernen – für unser Heute und unser Morgen.
In diesem Jahr wirkt dieser Jahrestag besonders eindringlich. Seit über vier Jahren tobt erneut ein Krieg in Europa. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat uns in aller Härte vor Augen geführt, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Hinzu kommt die Eskalation im Nahen Osten, die uns mit Bildern und Nachrichten erreicht, die kaum Worte finden lassen. Die Welt scheint an vielen Stellen verletzlicher, unruhiger und gespaltener geworden zu sein.
Gleichzeitig beobachten wir in Deutschland das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte. Viele Menschen erleben Verunsicherung, Angst oder das Gefühl von Orientierungslosigkeit. Genau in solchen Zeiten kommt es darauf an, sich daran zu erinnern, was unser Land trägt: wehrhafte Demokratie, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und die unveräußerliche Würde jedes Menschen. Diese Grundfesten sind nicht verhandelbar. Sie dürfen niemals wieder einem Regime oder einer Ideologie unterfallen, die Menschen ausgrenzt, bedroht oder entmenschlicht.
Deshalb lautet die Mahnung unserer Zeit: „Nie wieder“ ist kein Satz der Vergangenheit. Nie wieder ist jetzt.
Die Geschichte zeigt uns, dass Freiheit und Demokratie nicht von selbst bestehen. Sie müssen geschützt, gelebt und immer wieder neu verteidigt werden – mit Haltung, Mut, Mitgefühl und dem festen Glauben daran, dass wir gemeinsam verantwortlich sind für das, was unser Land und unsere Gesellschaft zusammenhält.
Wenn wir am Samstag an die schweren Stunden erinnern, die Olpe vor 81 Jahren durchlitten hat, dann tun wir das nicht nur aus historischem Pflichtbewusstsein. Wir tun es, weil wir wissen:
Nur wer erinnert, kann verhindern.
Nur wer hinblickt, versteht.
Nur wer Verantwortung übernimmt, setzt ein Zeichen für Frieden.
Lassen wir uns deshalb zusammenstehen:
Für unsere Werte.
Für unsere Demokratie.
Für die Menschenrechte.
Für ein Miteinander, das niemanden zurücklässt.
Und vertrauen wir darauf, dass Gott uns begleitet bei all unseren Bemühungen um Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit – heute und an jedem neuen Tag.
Tobias Schulte
(Bürgermeister von Olpe)
Veranstaltungshinweis des GzT-Teams:
Wir weisen auf die Ausstellung und Vorträge zum Thema “Suizid” der Notfallseelsorge des Kreises Olpe hin. Üner dieses Thema kann man sich sicher auch “Gedanken” machen. Einzelheiten finden sie in dem Bericht unter “Nachrichten” auf der Homepage des pastoralen Raumes Olpe-Drolshagen.
Noch ein Hinweis in eigener Sache:
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