Gedanken zum Tag – 22. März 2026 – Fünfter Fastensonntag

22. März 2026

Die Tränen Gottes
(“Jesus weinte.” (Joh 11,35))

Als Kran­ken­haus­seel­sorger verbringe ich oft Zeit an den Betten von schwer kranken oder ster­benden Menschen. In solchen Momenten sitze ich häufig schwei­gend neben Ange­hö­rigen, die sich hilflos fühlen, ganz ähnlich wie Marta und Maria ange­sichts der Krank­heit und des Todes ihres Bruders Lazarus.

Das Evan­ge­lium dieses 5. Fasten­sonn­tags rückt genau diese zutiefst mensch­liche Ausnah­me­si­tua­tion in das Zentrum der Erzählung.

Bevor Jesus das Wunder der Aufer­we­ckung voll­bringt, geschieht psycho­lo­gisch und theo­lo­gisch etwas Entschei­dendes: Er sieht die weinenden Menschen, lässt sich von ihrem Schmerz erschüt­tern und weint mit ihnen. Er vertröstet die trau­ernden Schwes­tern nicht mit frommen Phrasen oder schnellen Antworten. Der Sohn Gottes hält den Schmerz aus und teilt ihn.

In der Klinik erlebe ich täglich, dass echter Trost selten durch ratio­nale Erklä­rungen für das Leid entsteht, sondern durch jemanden, der die Ohnmacht und die Stille gemeinsam mit den Betrof­fenen aushält.

Gott steht unserem Leid nicht distan­ziert gegen­über, sondern geht in der Passi­ons­zeit selbst in die tiefste Fins­ternis hinein. Aus dieser Erzäh­lung lassen sich konkrete Impulse für den eigenen Alltag ziehen:

Tränen zulassen: Trauer und Verzweif­lung sind keine Schwäche, sondern eine ehrliche Antwort auf den Schmerz, die selbst Jesus nicht fremd war.
Gemein­schaft suchen: Trost entsteht dort, wo Menschen am Grab des anderen stehen und einander im Leid nicht alleine lassen.
Steine wegwälzen: Jesus fordert die Umste­henden auf, den schweren Stein vom Grab wegzutun, um dem Leben wieder Raum zu geben.

Viel­leicht spüren auch Sie in diesen Tagen einen schweren Stein der Sorge auf Ihrer Seele liegen. Sie dürfen darauf vertrauen, dass Christus an Ihrer Seite steht, Ihre Tränen sieht und am Ende stets das Leben für Sie will.

Chris­toph Lange
(Kran­ken­haus­pfarrer)

 

 

Veran­stal­tungs­hin­weis des GzT-Teams:

Wir weisen auf die Ausstel­lung und Vorträge zum Thema “Suizid” der Notfall­seel­sorge des Kreises Olpe hin. Üner dieses Thema kann man sich sicher auch “Gedanken” machen. Einzel­heiten finden sie in dem Bericht unter “Nach­richten” auf der Home­page des pasto­ralen Raumes Olpe-Drolshagen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache:

Wenn Sie, liebe Lese­rinnen und Leser, auch solche Gedanken über das Leben oder über irgend­etwas anderes haben, dann schreiben Sie es auf und schi­cken es uns. Wir freuen uns über jeden Beitrag! Falls Sie in Ihrem Beitrag (ausnahms­weise!) fremde Texte/Textteile verwenden, beachten Sie bitte UNBEDINGT die Urheberrechte.

Sie können uns schreiben unter gedankenzumtag@gmx.de .

 

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