Am kommenden Wochenende findet in Stuttgart die sechste und letzte Versammlung des Synodalen Weges statt. Im Anschluss wird eine stark verkleinerte Synodalkonferenz die Umsetzung fortsetzen. Zur Erinnerung die vier Arbeitsfelder: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“, „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, „Priesterliche Existenz heute“ und „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“.
Was aber soll denn fortgesetzt werden? Tatsächlich sind wir von den konkreten Ergebnissen des Synodalen Weges enttäuscht, da aufgrund der Sperrminorität der Bischöfe und des Einknickens gegenüber Rom vieles auf den allerkleinsten gemeinsamen Nenner gebracht wurde. Das ist kein großer Wurf der Erneuerung mehr.
Wir halten eine Erneuerung in den o.g. vier Bereichen für dringend geboten, damit Kirche die Frohe Botschaft Jesu glaubhaft vertreten kann. Wie passt der soziale Auftrag Jesu, seine gelebte Offenheit und Nächstenliebe, die wir nachahmen sollen, mit Machtansprüchen, Ausgrenzung von Geschiedenen, Menschen mit anderer sexueller Orientierung, Frauen und vor allem auch der Vertuschung von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche zusammen?
Immer wieder wird von konservativen Kreisen die Gefahr eines „Schismas“ beschworen, also ein Bruch innerhalb der katholischen Kirche wie die historischen Abspaltungen der orthodoxen und der reformierten Christen. Diese Gefahr ist gegeben. Als Hauptursache dafür sehen wir jedoch das Ergebnis der MHG-Studie zum innerkirchlichen sexuellen Missbrauch und den Umgang seitens der Amtskirche damit.
Das wahre Schisma liegt in dem harten Schnitt des Kirchenaustritts und noch viel stärker im stillen Rückzug vieler Christen, die zwar noch Kirchensteuern zahlen, aber dem kirchlichen Leben in all seinen Facetten längst den Rücken gekehrt haben. Selbst auf die Spendung der Sakramente an den großen Wegkreuzungen des Lebens wird zunehmend verzichtet – kein Bedarf!
Viele Menschen finden keine Orte der Glaubensbegegnung mehr. Die Amtskirche hat sich unglaubwürdig gemacht und findet keinen Weg zum Herzen der Menschen, vor allem auch in deren Alltagssorgen, mehr. In den Familien wird der Glaube nicht mehr konkret mit Leben gefüllt, im Alltag mit Freunden und Kollegen ist dieses Thema tabu. Hier ist die Abspaltung längst vollzogen!
Wenn die katholische Kirche nicht zu einer unbedeutenden Gruppe, quasi einer Sekte, in Deutschland verkommen soll, muss der Synodale Weg und seine ursprünglichen Forderungen, aber auch alle anderen Formen der Erneuerung weiterhin mit Nachdruck gefördert und mit Leben in der Kirche gefüllt werden. Viele kleine christliche Gemeinschaften mit je individuellen Ausrichtungen und Charakteristika könnten eine Antwort sein.
Wir als Gruppe Maria 2.0 verstehen uns als eine solche kleine Gemeinschaft. Diese Belebung hängt nicht zuletzt von den aktiven Christen und dem ganzen Volk Gottes im Sinne des II. Vatikanischen Konzils ab. Das Konzil sah alle Menschen zur aktiven Nachfolge Jesu berufen in einer Gemeinschaft von mutigen Priestern und Laien mit den je eigenen Charismen.
Wir wünschen uns ein mutiges und verantwortliches gemeinsames Bemühen um eine moderne, den Menschen zugewandte Kirche hier bei uns im heimischen Raum.
Maria 2.0 im Kreis Olpe
(Petra Dornseifer, Uta Färber, Silvia Greiten, Annette Grobbel, Anne Günther, Stefanie Heike-Grebe, Beate Lütticke, Jutta Ohm, Sandra Peterseim-Möller, Beate Schröder, Raphaele Voss)
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