Gedanken zum Tag – 30. November 2025 – Erster Adventssonntag

30. Nov. 2025

Mit dem Beginn der Advents­zeit verbinden Sie, liebe Lese­rinnen und Leser, bestimmt eine ganze Menge an verschie­denen Dingen:

Von Advents- und Weih­nachts­de­ko­ra­tion, Weih­nachts­märkten, O‑Antiphone, Lebku­chen und vielen Plätz­chen, Rora­te­messen, Liedern, Gedichten und Geschichten mit advent­li­chem und weih­nacht­li­chem Flair, Kerzen, Advents­kränze, manchmal schon der Weih­nachts­baum, ganz viel Licht an Häusern und Fens­tern, Advents­ka­lender, Jesaja-Lesungen und sicher noch eine ganze Menge mehr.

Sie werden ihre persön­liche Auswahl an Advents­tra­di­tionen im Laufe der Jahre für sich selbst und viel­leicht für Ihre Familie zusam­men­ge­stellt haben. Dinge, die Ihnen im Advent wichtig sind oder von denen Sie gern zumin­dest im Advent mehr in Ihrem Leben haben möchten.

Christ­liche Klas­siker sind da, neben dem Verständnis der Advents­zeit als Fasten­zeit, der Wunsch nach mehr Stille, nach Besinn­lich­keit auf die Ankunft Jesu hin.

Damit verbunden ist auch die jähr­lich wieder­keh­rende Frage danach, was nun eine christ­liche Advents­zeit ausma­chen sollte (in der Regel werden hier Besinn­lich­keit, Stille, Gute Werke, etc. vorge­tragen) und was auf keinen Fall (und auf dieser Seite dann Konsum, Weih­nachts­märkte, nicht-christ­liche Tradi­tionen wie Weih­nachts­mann, Elfen und Co.) und wie man das erreicht. Und natür­lich, niemals soll es stressig und krampfig werden – weder christ­lich noch nicht-christlich.

Ich möchte Ihnen heute nicht erklären, wie eine “rich­tige“ Advents­zeit auszu­sehen hat, viel­leicht noch mit ein biss­chen Klos­ter­ro­mantik garniert – das kann und will ich nicht. Ich denke, jede und jeder sollte unbe­fangen, jedes Jahr neu schauen können, was gut tut in diesen vier Wochen. Ohne die Sorge, diese Zeit zu wenig fromm, zu wenig ruhig, zu wenig christ­lich, zu kommer­zia­li­siert, zu voll­ge­packt oder zu säkular zu gestalten. Daran versuche ich nicht nur Sie heute, sondern vor allem auch mich selbst zu erinnern.

Trotzdem verbinde ich den ersten Advent mit „guten Vorsätzen“, ähnlich wie den beliebten zu Neujahr, aber eben nicht für die sowieso so schon über­bor­dend vollen vier Wochen Advents­zeit, sondern für das begin­nende neue Kirchen­jahr. In gewisser Weise fromme Neujahrsvorsätze.

Meist beginne ich in den letzten Wochen, wenn die Offen­ba­rungs­texte in der Liturgie mehr werden, schon darüber nach­zu­denken, was ich in meinem geist­li­chen Leben vermisse, wohin meine eigene Sehn­sucht geht, was mir gut tun könnte im kommenden Jahr. Wie klappt es so mit persön­li­chen Gebets­zeiten, Bibel­lek­türe, anderer geist­li­cher Lektüre, Austausch mit anderen, Einsatz für die Dinge und Menschen, die ich für wichtig erachte, Litur­gie­feiern und dem Mitvoll­ziehen des Kirchen­jahres? Was erfüllt mich, gibt mir viel Gutes in meinem Alltag und was fehlt mir oder gibt mir nichts?

Es finden sich jedes Jahr aufs Neue Dinge, die ich mir vornehme. Nicht jedes Jahr das Gleiche, sondern immer leicht verschieden, je nachdem, was mein vergan­genes Jahr so geprägt hat und wo es mich hinzieht für das Kommende. Ja, die „guten Vorsätze“ sind im Advent bestimmt präsenter als im August, sodass sie auch meine vier Wochen Advents­zeit beson­ders prägen.

Aber sie bleiben, im Ideal­fall, eine Erin­ne­rung fürs ganze Jahr, daran, was mir wichtig ist für mein Leben, was meinen Alltag prägen soll und wohin mich meine Sehn­sucht ganz konkret zieht. Und das kann für Sie ganz anders aussehen wie für mich, oder es gibt Über­schnei­dungen. In jedem Fall, ob ganz anders oder ähnlich, bietet es eine Menge Inspi­ra­tion für das eigene nächste Jahr, wenn ein Austausch darüber, was uns wirk­lich wichtig ist, gelingt.

Ich wünsche Ihnen und Euch ein geseg­netes und schönes erstes Adventswochenende!

Sr. Jakoba Zöll
(Olper Fran­zis­ka­nerin und wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin für Mitt­lere und Neuere Kirchen­ge­schichte an der Univer­sität Bonn)

 

Noch ein Hinweis in eigener Sache:

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