Mit dem Beginn der Adventszeit verbinden Sie, liebe Leserinnen und Leser, bestimmt eine ganze Menge an verschiedenen Dingen:
Von Advents- und Weihnachtsdekoration, Weihnachtsmärkten, O‑Antiphone, Lebkuchen und vielen Plätzchen, Roratemessen, Liedern, Gedichten und Geschichten mit adventlichem und weihnachtlichem Flair, Kerzen, Adventskränze, manchmal schon der Weihnachtsbaum, ganz viel Licht an Häusern und Fenstern, Adventskalender, Jesaja-Lesungen und sicher noch eine ganze Menge mehr.
Sie werden ihre persönliche Auswahl an Adventstraditionen im Laufe der Jahre für sich selbst und vielleicht für Ihre Familie zusammengestellt haben. Dinge, die Ihnen im Advent wichtig sind oder von denen Sie gern zumindest im Advent mehr in Ihrem Leben haben möchten.
Christliche Klassiker sind da, neben dem Verständnis der Adventszeit als Fastenzeit, der Wunsch nach mehr Stille, nach Besinnlichkeit auf die Ankunft Jesu hin.
Damit verbunden ist auch die jährlich wiederkehrende Frage danach, was nun eine christliche Adventszeit ausmachen sollte (in der Regel werden hier Besinnlichkeit, Stille, Gute Werke, etc. vorgetragen) und was auf keinen Fall (und auf dieser Seite dann Konsum, Weihnachtsmärkte, nicht-christliche Traditionen wie Weihnachtsmann, Elfen und Co.) und wie man das erreicht. Und natürlich, niemals soll es stressig und krampfig werden – weder christlich noch nicht-christlich.
Ich möchte Ihnen heute nicht erklären, wie eine “richtige“ Adventszeit auszusehen hat, vielleicht noch mit ein bisschen Klosterromantik garniert – das kann und will ich nicht. Ich denke, jede und jeder sollte unbefangen, jedes Jahr neu schauen können, was gut tut in diesen vier Wochen. Ohne die Sorge, diese Zeit zu wenig fromm, zu wenig ruhig, zu wenig christlich, zu kommerzialisiert, zu vollgepackt oder zu säkular zu gestalten. Daran versuche ich nicht nur Sie heute, sondern vor allem auch mich selbst zu erinnern.
Trotzdem verbinde ich den ersten Advent mit „guten Vorsätzen“, ähnlich wie den beliebten zu Neujahr, aber eben nicht für die sowieso so schon überbordend vollen vier Wochen Adventszeit, sondern für das beginnende neue Kirchenjahr. In gewisser Weise fromme Neujahrsvorsätze.
Meist beginne ich in den letzten Wochen, wenn die Offenbarungstexte in der Liturgie mehr werden, schon darüber nachzudenken, was ich in meinem geistlichen Leben vermisse, wohin meine eigene Sehnsucht geht, was mir gut tun könnte im kommenden Jahr. Wie klappt es so mit persönlichen Gebetszeiten, Bibellektüre, anderer geistlicher Lektüre, Austausch mit anderen, Einsatz für die Dinge und Menschen, die ich für wichtig erachte, Liturgiefeiern und dem Mitvollziehen des Kirchenjahres? Was erfüllt mich, gibt mir viel Gutes in meinem Alltag und was fehlt mir oder gibt mir nichts?
Es finden sich jedes Jahr aufs Neue Dinge, die ich mir vornehme. Nicht jedes Jahr das Gleiche, sondern immer leicht verschieden, je nachdem, was mein vergangenes Jahr so geprägt hat und wo es mich hinzieht für das Kommende. Ja, die „guten Vorsätze“ sind im Advent bestimmt präsenter als im August, sodass sie auch meine vier Wochen Adventszeit besonders prägen.
Aber sie bleiben, im Idealfall, eine Erinnerung fürs ganze Jahr, daran, was mir wichtig ist für mein Leben, was meinen Alltag prägen soll und wohin mich meine Sehnsucht ganz konkret zieht. Und das kann für Sie ganz anders aussehen wie für mich, oder es gibt Überschneidungen. In jedem Fall, ob ganz anders oder ähnlich, bietet es eine Menge Inspiration für das eigene nächste Jahr, wenn ein Austausch darüber, was uns wirklich wichtig ist, gelingt.
Ich wünsche Ihnen und Euch ein gesegnetes und schönes erstes Adventswochenende!
Sr. Jakoba Zöll
(Olper Franziskanerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Bonn)
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